Kommentiert: Meinungsstark und gelassen. Was für ein Programm!

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Kommentiert: Meinungsstark und gelassen. Was für ein Programm!

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Navid Kermani hat ein bemerkenswertes Buch über das Christentum geschrieben und es „Ungläubiges Staunen“ genannt. Für einen Muslim ist das etwas Außergewöhnliches.

Es ist eine intellektuelle und unvoreingenommene Berührung mit dem Christentum, wie wir es, zuweilen nur noch reduziert auf Terrorakte, dem Islam gegenüber nicht oder allenfalls nur sehr selten noch haben. Der Schriftsteller setzt sich mit dem Christentum, seinen Bildwelten, seinen Schriften und seinen wesentlichen Aussagen auseinander. 

Und er gibt uns regelrecht Nachhilfe im Mut, in der Loyalität und Identität, die man zur eigenen Religion haben sollte, haben könnte, haben müsste, wenn er beschreibt, was ihn am Christentum fasziniert: „Ganz eindeutig ist es das Moment der Feindesliebe, das ist ein revolutionärer Gedanke gewesen, der ja auch in andere Religionen Eingang gefunden hat.“ Was sind wir für zögerliche, manchmal mutlose Christen, wenn wir in Passivität, Gleichgültigkeit, Resignation zuweilen verharren und nicht den Mund aufmachen und unsere Meinung äußern!

Direkte und klare Sprache

Papst Franziskus lebt uns eine direkte und klare Sprache doch vor. Er vermeidet rhetorische Umwege. „In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen“, sagt er in seiner Weihnachtsansprache gar nicht besonders fromm. Und das ist gut. Er sieht sogar „Verräter“ in der eigenen römischen Kurie.

Und wir? Verraten wir nicht unsere Ideale, unsere wunderbare Meinungsfreiheit, unsere demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten, wenn wir nicht mehr unsere Ansichten artikulieren und uns stattdessen irgendwie arrangieren? Wenn wir denken, Jamaika, gut und schön, aber erledigt, sind die Polit-Funktionäre selber schuld. Ob „Groko“ oder „Koko“, ob Neuwahl oder Minderheitsregierung – alles egal! Wir werfen lieber unzählige Blicke aufs Smartphone und pflegen ein intensives Abtauchen in die digitale Freizeit-Welt, die uns Spannung, Bedeutung und Mitsprache vorgaukelt, jedoch am Ende nichts anderes als eine Fassade ist.

Staunen!

Navid Kermani war nicht nur sprach-, sondern atemlos, als er zum ersten Mal das wunderbare Bild von Gerhard Richter im Kölner Dom sah. Er hat gestaunt, weil er es so nicht erwartet hatte. Er hat sich darauf eingelassen und es genossen, mitten in der Hektik von Mobilität, Digitalisierung und Globalisierung. Er hat sich nicht verrückt machen lassen, sondern innegehalten, mal eine Pause eingelegt, nachgedacht, verschnauft, sich an etwas Schönem erfreut. Das ist ein ideales weihnachtliches Programm und zudem eine Anleitung für den Alltag. Bleiben oder werden Sie gelassen. Mensch sein: Das ist eine zentrale Botschaft rund um Jesu Geburt. Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

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