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Kommentiert: Mehr Empathie für Belange der Bundeswehr

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Die Deutschen haben lange mit der Bundeswehr gefremdelt. Das stets ungeliebte Kind trug zwar einst zum demokratischen Neubeginn der Bundesrepublik bei, ihre Soldaten durften jedoch über Jahrzehnte ungestraft als Mörder beschimpft werden.

Weder seitens der politischen Führung noch aus den Reihen der Bevölkerung konnte die Truppe – anders als in anderen Ländern der Welt – volle Rückendeckung erwarten. Nicht einmal in den Hochphasen des Kalten Krieges wurde die Leistung der Truppe gewürdigt. Dabei dürfen sich viele aktive und ehemalige Soldaten mit Fug und Recht als Sieger des Kalten Krieges fühlen.

Doch gerade dessen Ende brachte tiefgreifende Einschnitte in die Struktur der Armee. Seit den 1990er Jahren musste sich die Bundeswehr in halsbrecherischer Geschwindigkeit Veränderungen unterziehen, welche die meisten „zivilen“ Unternehmen wohl so nicht überlebt hätten. Standorte wurden geschlossen, Regimenter abgewickelt und Aufgaben neu verteilt, ohne jemals Rücksicht auf die Soldaten oder ihre Angehörigen zu nehmen. Hätte man Gleiches mit Lokführern, Piloten oder Ärzten versucht, das Leben in der Bundesrepublik wäre zum Stillstand gekommen.

Der Wandel von der reinen Verteidigungs- hin zur kampferprobten Einsatzarmee in Afghanistan war für alle Beteiligten ein schmerzhafter Prozess. Doch die Leidtragenden waren und sind allein die Soldaten. Viel zu lange mussten sie auf Unterstützung warten. Karl-Theodor zu Guttenberg war der erste Verteidigungsminister, der den Mut hatte, von „kriegsähnlichen Zuständen“ am Hindukusch zu sprechen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel brauchte lange, ehe sie das Wort „Krieg“ in den Mund nahm. Da waren längst die ersten deutschen Soldaten im Einsatz gefallen. Da hatten sich die „Brücken- und Schulbauer“ längst in kämpfende Einheiten umdefinieren müssen. Die Einsatzrealität entsprach so gar nicht mehr dem politischen Anspruch. Selbst die – im Ignorieren der Realität versierten – Bundestagsabgeordneten, mussten erkennen, dass hier ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat.

Um so unverständlicher, dass man trotzdem versuchte, am Verteidigungsetat zu sparen. Das Ergebnis kommt einer Bankrott­erklärung erschreckend nahe. Einer überlasteten Truppe fehlt es immer noch hinten und vorne an modernem und einsatzfähigem Material.

Dass die Aufträge und Einsätze dennoch unverändert durchgeführt werden und die Einheiten der Bundeswehr, auch im internationalen Vergleich, dabei gut abschneiden, legt beredtes Zeugnis von der Qualität und Moral der Soldaten ab. Man kann der Truppe nur wünschen, dass die Politik in den nächsten 60 Jahren mehr Empathie für sie aufbringt und zukunftsweisende Entscheidungen weiser getroffen werden.

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