Kommentiert: Man nennt es Ausbeutung

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Kommentiert: Man nennt es Ausbeutung

Ein Kommentar von Hermann-Josef Delonge

Ryanair-Chef Michael O’Leary nennt seine Piloten schon mal „überbezahlte fliegende Busfahrer“. Der Mann schimpft gerne, laut und publikumswirksam. Kann gut sein, dass er sich jetzt mit den Falschen angelegt hat. Es wäre zu hoffen.

Man kann es so sehen: O’Leary hat die Branche kräftig durchgeschüttelt und Flugreisen quasi für alle bezahlbar gemacht. Die Platzhirsche mussten reagieren, die Durchschnittspreise sind im gesamten Flugsektor gefallen. Die Kunden freut’s.

Aber auch dafür muss jemand die Zeche zahlen. Bei Ryanair sind es die Angestellten. Die Fluggesellschaft hat sich bislang jeder Tarifbindung widersetzt und sich lange Zeit sogar geweigert, Gewerkschaften überhaupt als Verhandlungspartner anzuerkennen. Piloten und Flugbegleiter verdienen bei Ryanair deutlich weniger als ihre Kollegen bei tarifgebundenen Airlines. Viele werden als Scheinselbstständige ohne soziale Absicherung beschäftigt; es gibt keinen Kündigungsschutz, der Einsatzort kann jederzeit geändert werden, Ruhe- und Arbeitszeiten sind nicht vernünftig geregelt, im Krankheitsfall gibt es nicht selten kein Geld. Das nennt man schlicht und ergreifend Ausbeutung.

Wenn also jetzt gestreikt wird, geht es natürlich um Geld, vor allem aber um angemessene Standards. Das sollte jeder Ryanair-Kunde, der vom Ausstand der Piloten betroffen ist und sich verständlicherweise ärgert, bedenken. Dieser Streik ist gerechtfertigt – und längst überfällig.

 

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