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Kommentiert: Lebensmittel-Warnsystem reicht nicht aus

Ein Kommentar von Rebecca Brockmeier

Ob auf dem Teller ein genießbares Lebensmittel landet, scheint in Deutschland vor allem Glückssache zu sein.

Das Warn- und Überwachungssystem in Deutschland ist „mangelhaft“, sagt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Sie verteilt miese Noten für Unternehmen und Behörden. An Unternehmen, weil sie Warnungen vor gefährlichen oder verunreinigten Produkten oft erst zu spät oder gar nicht an die Öffentlichkeit gäben. Und Behörden, weil sie oft nicht über Probleme informiert seien und wenn, nicht restriktiv eingriffen.

Die Verbraucher sind Kummer gewohnt: Mit immer neuen Lebensmittelskandalen von Gammelfleisch bis zu mit Fipronil verseuchten Eiern hat die Lebensmittelindustrie Vertrauen verspielt. Ungläubig nimmt man daher zur Kenntnis, dass die Lebensmittelqualität in Deutschland in erster Instanz Sache der Unternehmen ist.

Das bedeutet: Hersteller führen selbstständig Kontrollen durch und geben die Ergebnisse an die zuständigen Behörden weiter. Sie haben zwar eine Dokumentationspflicht und werden je nach Risikoklasse stichprobenartig überprüft. Zu diesem Zeitpunkt liegen die Waren aber womöglich schon im Supermarktregal oder sind gar längst verzehrt. Na dann: Wohl bekomm's!

Unternehmen geben Entwarnung

Ob am Ende ein unbedenkliches Produkt auf dem Teller des Verbrauchers landet, liegt also zunächst einmal in der Hand von profitorientierten Konzernen. Diese geben gleich Entwarnung: Man könne es sich nicht erlauben, mit Salmonellen verseuchten Fisch oder sonstige ungenießbare Waren zu vertreiben. Das schadet schließlich dem Ruf, und die Konkurrenz ist groß.

Außerdem gebe es ja gesetzliche Vorgaben, an die sich Produzenten halten müssen. Nur leider interessiert das die, die sich nicht daran halten wollen, weil sie mit umetikettiertem Fleisch, gepanschten Futtermitteln und anderen illegalen Methoden ihre Gewinnmarge erhöhen wollen, herzlich wenig.

Kontrolle ist Ländersache

Und diese Kriminellen haben relativ freie Hand. Denn im Jahr 2017, in dem Produkte aus der ganzen Welt in den Regalen liegen, in denen von der Weintraube bis hin zum Luxusschinken alles übers Internet vertrieben wird, ist die Lebensmittelkontrolle noch immer Ländersache. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Kleine Landesbehörden sollen Waren aus der ganzen Welt und global operierende Konzerne kontrollieren.

Bei dem Gedanken kann einem glatt der Appetit vergehen. Und was im Bund nicht funktioniert, klappt auf EU-Ebene noch weniger: Im Fipronil-Skandal schieben sich die einzelnen Länder gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Wer wann was gewusst hat, ist unklar, wer wen wann hätte informieren sollen oder können auch.

Dass ausgerechnet Supermärkte und Discounter dadurch, dass sie schnell sämtliche Eier aus den Regalen genommen haben, im Skandal zu Verbraucherschützern avancieren, ist dabei der größte Hohn und lässt tief blicken. Sind sie es doch, die mit ihrem Preiskampf Produzenten unter Druck setzen und so zu illegalen Methoden beitragen. Na dann: Prost Mahlzeit. Oder besser: viel Glück.

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