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Kommentiert: Konsequenter Abgang

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Wenn einem Talkshow-Profi wie Wolfgang Bosbach mitten in einer Livesendung der Kragen platzt und er das Studio verlässt, dann will das etwas heißen. Da muss sich im Lauf der Sendung doch einiges in ihm aufgestaut haben, um zu einer solchen Entscheidung zu kommen.

So geschehen in der Sendung „Maischberger“, in der Bosbach zum Thema Krawalle rund um den G20-Gipfel unter anderem das Vergnügen mit der Ex-Grünen Jutta Ditfurth hatte. Doch das ging schief. Mit ihren Ansichten und ihrer Art trieb sie den CDU-Politiker förmlich aus dem Studio.

Bosbach ist ein Mann der klaren Worte, einer, der dem politischen Gegner gut einschenken kann, wenn es sein muss. Doch ebenso gut kann er einstecken und sich der Argumentation Andersdenkender in Ruhe zuwenden. Kurzum: Bosbach ist jemand, der hart in der Sache argumentiert, aber fair in der Form.

Und diese Form einer fairen Auseinandersetzung war für Bosbach nicht mehr gegeben. Ditfurths ständiges Dazwischenreden, ja auch ihre respektlosen Gesten und ihr Gesichtsausdruck waren eine einzige Provokation. Da darf auch einem Politprofi mal der Kragen platzen. Bosbachs Abgang aus der Sendung war nachvollziehbar, letztlich nur konsequent.

Sandra Maischbergers Redaktion sollte dringend ihre Einladungspolitik überdenken. Dass es bei dieser Besetzung Eskalationspotenzial gab, war absehbar. Natürlich lebt ein Polittalk wie „Maischberger“ in erster Linie von der Kontroverse. Es ist ja gerade die Idee, gegensätzliche Meinungen in einer Gesellschaft von draußen ins Fernsehstudio zu holen. Doch nach den Ereignissen von Hamburg wäre eine Versachlichung der Diskussion eher angezeigt gewesen. In dieser Konstellation war das aber schier unmöglich. Das hätte man vorhersehen müssen.

Die Fernsehmacher wussten es vermutlich vorher und haben die Eskalation bewusst in Kauf genommen. Die Sendung war jedenfalls am Tag danach in aller Munde.

Mit ihrer Aufforderung, Ditfurth solle bitte die Sendung verlassen, nachdem Bosbach freiwillig gegangen war, konnte sich Maischberger nicht durchsetzen. Was hätte sie auch tun sollen, Ditfurth polizeilich abführen lassen? Dass sich Maischberger am Tag nach der Sendung bei Ditfurth dafür entschuldigte, ist schwach. Dann hätte sie sich auch bei Bosbach entschuldigen müssen. Und zwar dafür, dass es ihr als Moderatorin nicht gelungen ist, Frau Ditfurth im Zaum zu halten.

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