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Kommentiert: Klartext und Respekt

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Dürfen die das? Einfach so schreiben, was sie wollen? Wer kontrolliert die eigentlich, die Journalisten?

Manche Länder beantworten diese Frage kurz und bündig: Sie sperren lästige Journalisten ein. Basta. Die Liste dieser Länder ist lang und reicht von der Türkei über China, Vietnam, Iran bis zu Ägypten, Thailand und Saudi-Arabien.

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ weist aus Anlass des Internationalen Tages der Pressefreiheit auf mindestens 164 Journalisten und 166 Online-Aktivisten hin, die wegen ihrer beruflichen Tätigkeit in Haft sitzen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich in der Türkei in kein diplomatisches Korsett gezwängt und die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit gebrandmarkt. Der Umgang mit ihr ist Gradmesser für den Zustand eines Landes. Ohne freie Medien sind politische Systeme langfristig nicht überlebensfähig. Vor allem das Internet, oft wegen seiner perfiden Anonymität und beleidigenden Hemmungslosigkeit gescholten, hat viele Diktaturen beeinflusst, dieser Informationsmöglichkeit kann sich staatliche Zensur auf Dauer kaum in den Weg stellen.

Deutschland hat als eines der wenigen Länder das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit im Grundgesetz verankert. Das mahnt zum verantwortungsbewussten Umgang der Medien mit diesem hohen Verfassungsgut. Ein wesentlicher Aspekt ist deshalb die Sorgfaltspflicht der Presse. Jedoch: Die Medien haben Missstände aufzuspüren und darüber zu berichten. Nicht jene, die Skandale aufdecken, schaden der Demokratie, sondern die für die Missstände Verantwortlichen.

Niemals Kumpanei!

Selbstbewusst, rückgratstabil: Das muss der Anspruch an jeden guten Journalisten sein. Das taugt nichts für Faule und Feige. Für ihn gilt: niemals Kumpanei, Schulterklopfen, distanzloses Mittendrin, Kampagnen-Journalismus. Journalisten müssen manchmal aus der Enge banaler Bequemlichkeit ausbrechen, Andersartigem eine Chance geben, Minderheiten zu Wort kommen lassen, ein Forum bieten. Journalisten sollten dabei eine glaubwürdige Unterstützung sein. Dabei schwanken die Medien, zuweilen zwischen Anpassung und Anmaßung. Medien stehen nicht über den Dingen. Sie sind zutiefst menschlich. Sie sind Teil von Trends und Einflüssen, immer in der Gefahr, dem Zeitgeist doch nachzulaufen.

Und ewig bleibt auch das wahr: In fast allen Gesellschaften und in allen Zeiten sind die Medien am Ende die Ursachen allen Übels. Sie, so scheint es dann, haben dem Bild-Chefredakteur die Mailbox vollgequasselt. Sie haben den falschen Kader von Alemannia Aachen zusammengestellt, sie haben die Euro- und Finanzkrise nicht vorhergesehen, sie haben, schon heute, die nächste Wahl verloren.

Teil der Herde

Die Journalisten sind auch nur ein Teil der Herde. Gerade im Lokalen gilt jedoch mehr als anderswo: Der Leser schützt vor Hochmut und Schlamperei. Ernst Elitz, ehemaliger Intendant des Deutschlandfunks und Deutschlandradios, sagt: „Der Lokaljournalist darf nicht Bauchredner seines Publikums werden.“ Und: „Stadtväter, die keine Kritik vertragen und sich im Lokalpatriotismus sonnen, ersticken in provinzieller Muffigkeit.“ Auch darüber sollten wir intensiv nachdenken: über Kritikfähigkeit, Diskussionstoleranz und Gesprächskultur. Nicht immer sind da nur die Journalisten schuld.

Fast alle von uns unterliegen diesem grässlichen Diktat unserer Zeit, das lautet: Tempo, Tempo! Wir sind gleichzeitig überall, via Internet und Satellit, alles live, immer im Multitasking-Modus. Wir haben Gott und die Welt im Griff. Aber Geschwindigkeit ersetzt kein Verstehen. In der Informationsflut ersäuft der Überblick. Die Welt ist vernetzter denn je, aber dadurch nicht näher geworden. Sie konzentriert sich am Ende auf die grellsten Bilder, die dreistesten Typen, die lautesten Explosionen. Wollen Sie und wir das auf Dauer wirklich?

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