Kommentiert: Kein Wahlkampfhit

11825753.jpg

Kommentiert: Kein Wahlkampfhit

Ein Kommentar von Peter Pappert

Sigmar Gabriel ist verzweifelt – über die Situation in Deutschland und Europa, über die Lage seiner Partei zwei Wochen vor den Landtagswahlen, über sich selbst – aber leider nicht.

Denn wenn er das wäre, könnte diese Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung sein. Doch weil die Einsicht fehlt, springt der SPD-Vorsitzende mal wieder kreuz und quer durch den politischen Gemüsegarten und schießt ein „Solidaritätsprojekt“ in die Beete, damit für seine Partei bis zum 13. März noch irgendwas erblüht. Die Chance, dass das gelingt, ist gering.

Die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung dürften „nicht weiter unter die Räder geraten“, sagt der SPD-Chef und schielt auf den demoskopischen Höhenflug der AfD: Wer Banken und Flüchtlingen Milliarden hinterherwirft, muss auch dem eigenen Volk mehr geben! Das ist der unausgesprochene Tenor von Gabriels Wahlkampfknaller, der hängenbleiben soll. Statt die aufgeheizte Debatte um die Flüchtlingskrise zu dämpfen, gießt Gabriel Öl ins Feuer, indem er die miesen Parolen der Radikalen indirekt bestätigt. Zudem zeichnet er ein völlig schiefes Bild des deutschen Sozialstaates.

Der deutsche Vizekanzler könnte stattdessen in der derzeit tatsächlich angespannten Lage seriös und ruhig die Politik von Merkel und Steinmeier unterstützen. Er könnte es unterlassen, unnötige Fronten in der Bundesregierung aufzubauen. Er könnte als Parteichef dafür sorgen, dass sich die SPD-Bundesminister auf dringliche Sacharbeit konzentrieren, statt Kommentare über das desaströse Verhältnis zwischen CDU und CSU abzugeben. Niemand muss Söder-Seehofer-Stoiber-Ausfälle kommentieren; die kommentieren sich von selbst.

Noch eine Woche bis zum entscheidenden EU-Türkei-Gipfel, der gemeinsame Lösungen beschließen muss, weil anders das Flüchtlingsproblem wirklich nicht zu lösen ist. Noch zwei Wochen bis zu jenen Landtagswahlen, nach deren Ergebnis Heißsporne bereits drastische politische Konsequenzen ankündigen. Jetzt zeigt sich, wer im Sturm souverän und gelassen bleibt. Sigmar Gabriel gehört nicht dazu.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert