13522812.jpg

Kommentiert: Kein Abschied

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Der Mann lässt keinen Zweifel an seinen zukünftigen politischen Ambitionen. Seine Erklärung am Donnerstag in Brüssel war keine Abschiedsvorstellung.

Sie war die sehr deutliche Ankündigung, demnächst von Berlin aus für Europa zu kämpfen. Und das wird er nicht ohne herausgehobene politische Position tun.

Die schriftliche Erklärung lässt kaum Zweifel zu. Er werde auch „zukünftig dem europäischen Projekt verbunden bleiben“, heißt es da. Das ist eine klare Ansage. Was vor wenigen Tagen in unserer Zeitung zu lesen war, hat er am Donnerstag ausdrücklich und offiziell bestätigt: Er wird auf Platz eins der NRW-Landesliste seiner Partei kandidieren. Und das heißt: Er geht als Spitzenkandidat der SPD im größten Bundesland in den Wahlkampf. Schulz spielt Haupt- und nicht Nebenrolle.

Dennoch bleibt vorerst die Frage: In welchem Amt werden wir ihn 2017 erleben? Das hängt sehr von Sigmar Gabriel ab. Entscheidet er sich für die Kanzlerkandidatur, wird Schulz gewiss der nächste Bundesaußenminister sein. Will Gabriel nicht als Kanzlerkandidat antreten, wird es Martin Schulz tun und abwägen müssen, wie sinnvoll das aus der Position des Außenministers heraus, der ständig weltweit unterwegs ist, sein kann.

Sein Aufstieg hat sich über Jahre systematisch vollzogen, und gerade die Zeit als EU-Parlamentspräsident hat er genutzt, um sich in den oberen Etagen europäischer Politik und ihrer Wahrnehmung mit Kompetenz zu bewegen. Martin Schulz hat dem Europäischen Parlament ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Er wird über Parteigrenzen hinaus dafür geschätzt und – auch das gehört zum Profil – von eher national Gesinnten schroff abgelehnt.

Man weiß bei ihm, woran man ist. Da ist kein Wischiwaschi, zuweilen natürlich die Ohnmacht, Dinge, die geändert werden müssen, nicht ändern zu können, weil vor allem diverse nationale Regierungen Europa nicht als großes Werteprojekt unserer Zivilisation, sondern eher als Selbstbedienungsladen betrachten. Solidarität ist dann allzu häufig ein Fremdwort.

Schulz kämpft engagiert dagegen. Die unverhohlene Freude einiger AfD-Funktionäre, ein Europapolitiker wie Schulz treibe ihnen nun noch mehr Menschen in die rechten Arme, ist eine oberflächliche und kurzsichtige Hoffnung. Schulz zeigt mit seinem Selbstbewusstsein und seinem Rückgrat für Europa jene Haltung, die man bei manchen Demokraten vermisst.

Es wird interessant werden mit diesem international erfahrenen Politiker, der von der Europa- auf die Bundesebene wechselt – unabhängig davon, ob er Außenminister, Kanzlerkandidat und/oder SPD-Chef wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert