Kommentiert: Kaputtgespart

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Kommentiert: Kaputtgespart

Ein Kommentar von Stephan Mohne

Die Stadt leistet es sich, zwei Millionen Euro – pro Jahr – für die reine Unterhaltung eines Fußballstadions auszugeben. Ist das eine Kernaufgabe der Verwaltung?

Die Stadt leistet es sich, per Wiederbesetzungssperre einen deutlich geringeren Betrag zu sparen und damit der ohnedies längst arg dünnen Personaldecke noch mehr Arbeit draufzusatteln und so aktuell den Bürgerservice vor die Wand zu fahren. Der allerdings ist tatsächlich eine der Kernaufgaben der Verwaltung. Einen Personalausweis kann man noch nicht bei Ebay bestellen. Die verbliebenen und heillos überlasteten Mitarbeiter sind frustriert, werden krank, wollen weg. Liest man dann in einer Ausschussvorlage aus dem November zur Notwendigkeit der Widerbesetzungssperre, dass „alle zur Verfügung stehenden Instrumente der Haushaltskonsolidierung“ genutzt werden müssten, „um die Handlungsfähigkeit der Stadt Aachen aufrecht zu erhalten“ und man noch einmal zum Fußballstadion zurückspringt, so ist das vor allem eines: beschämend.

Beim Bürgerservice tritt dabei offen und für uns alle spürbar zutage, das sich die Stadt personell seit zwei Jahrzehnten kaputtspart. Ein Betrieb funktioniert nur erfolgreich, wenn dort Menschen arbeiten, die Spaß an ihren Jobs haben. Das war im Bürgerservice lange so. Offensiv bewarb man sich dorthin. Jetzt ist es umgekehrt: „Nix wie weg!“, lautet die Devise. Die Misere war indes lange absehbar, gegengesteuert wurde nur in Ausnahmefällen. Auch in anderen Verwaltungsbereichen, die nur nicht derart öffentlicheitswirksam sind, brodelt es längst. CDU, Grüne und FDP erteilten zu allem Überfluss auch noch dem dringend nötigen Umbau der Stelle am Bahnhofplatz – auch in Sachen Fluchtwege und Brandschutz (so nachzulesen im Personalausschussprotokoll der Januarsitzung) – zumindest vorerst eine Absage. Da geht die Stimmungslage der Betroffenen dann verständlicherweise ganz in den Keller. Motivationsförderung sieht anders aus.

Und so muss es erst richtig knallen, bis die Alarmglocken läuten, weil kaum noch ein Mitarbeiter am Start ist und Bürger stundenlang warten müssen oder ganz vor verschlossene Türen laufen. Das muss sich ändern. Mehr Weitsicht ist vor allem im Sinne der Mitarbeiter, aber auch der Bürger, für die die Verwaltung ihrer Bestimmung nach dazusein hat, gefragt. Schließlich kann man auch das beste Pferd nur so lange reiten, bis es tot umfällt. Nebenbei: Warum sind Vorzimmerstellen von der Wiederbesetzungssperre ausgenommen, der Bürgerservice aber nicht? Die Antwort überlasse ich Ihnen.

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