Kommentiert: Kalkulierte Abzocke

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Katharina Menne

Kommentiert: Kalkulierte Abzocke

Ein Kommentar von Katharina Menne

Wann standen Sie das letzte Mal im Drogeriemarkt vor dem Regal mit den Rasierern und haben sich geärgert, dass der pinke „Lady Shaver“ teurer war als das vergleichbare Produkt für den Mann?

Oder haben Sie sich schon einmal beim Friseur beschwert, dass Sie für den Damenkurzhaarschnitt gut 20 Euro mehr bezahlen als der Herr auf dem Stuhl daneben für seine neue Frisur? Nein? Warum eigentlich nicht?

Das ist kalkulierte Abzocke. Das sogenannte Gender Pricing, eine bewusste Marketingstrategie, nutzt aus, dass Frauen bereit sind, mehr Geld für ihr Äußeres auszugeben als Männer. Das beginnt schon im Kindesalter. Das Prinzessinnen-Schaumbad ist teurer als das Bären-Bad für den Jungen. Für den rosa Strampler muss tiefer in die Tasche gegriffen werden als für den blauen. Gerecht ist etwas anderes.

Aber verstoßen solche geschlechtsspezifischen Preisunterschiede gegen geltende Gleichbehandlungsprinzipien? Das hat nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes geprüft. Dazu wurden 1700 Produkte und etwa 380 Dienstleistungen verglichen. Das Ergebnis: Bei Dienstleistungen werden Frauen tatsächlich oft benachteiligt, bei Produkten ist der Unterschied nicht so deutlich, aber trotzdem spürbar.

Jetzt könnte man sagen: Machen Sie sich doch frei von Stereotypen und kaufen Sie den blauen Rasierer, statt den mit rosa Einhörnern und Glitzer auf der Verpackung! Und was spricht dagegen, sich mit dem günstigeren Männer-Rasierschaum zu rasieren statt zu dem mit Pfirsich-Maracuja-Duft zu greifen? Dagegen spricht das Einkaufserlebnis und das Wohlgefühl dabei, das Frau-Sein zu leben und sich in den süßen Duft zu hüllen statt in den männlich-herben. Auch wenn man damit das Klischee erfüllt und dem klassischen Frauenbild aufsitzt. Dafür indirekt bestraft zu werden, ist unfair.

Milchmädchenrechnung

Natürlich müssen manchmal auch Männer mehr blechen, beim Discobesuch etwa oder bei Datingportalen. Das ist aber noch lange keine ausgleichende Gerechtigkeit, nach dem Motto: Dann zahlen Frauen eben beim Friseur mehr, aber in der Disco weniger. Das ist eine Milchmädchenrechnung, schließlich geht nicht jeder gleich oft in die Disco oder zum Friseur. Wirklich gerecht sind also nur produktangemessene Preise – unabhängig vom Geschlecht.

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