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Kommentiert: „Kalifat“ unter Druck

Ein Kommentar von Michael Wrase (Limassol)

Zum Jahresende kommen aus dem Nahen Osten Nachrichten, die Anlass zu sehr vorsichtigem Optimismus geben.

Zwar hat der Chef des sogenannten Islamischen Staates der ganzen Welt erneut mit Terror gedroht. Und die Warnungen müssen wir ernst nehmen. Seinen verbalen Rundumschlag verbreitet Abu Bakr al-Bagdadi dieses Mal nicht aus einer Position der Stärke, sondern nach einer Serie von Niederlagen.

2015 war für den IS ein schlechtes Jahr. Das Territorium des „Kalifats“ ist um 14 Prozent geschrumpft. Und dieser Trend scheint sich zur Jahreswende fortzusetzen. Schon bald dürfte der IS seine irakische Hochburg Ramadi verlieren. Über die Weihnachtstage mussten die Dschihadisten den strategisch wichtigen Tischrine-Staudamm, über den die wichtigste Nachschubroute in die Türkei verläuft, aufgeben. Und bei Damaskus stimmte der IS sogar der Evakuierung von 3000 seiner Kämpfer durch die UNO zu.

Es ist daher kein Wunder, dass Durchhalteparolen die letzte Rede des selbsternannten irakischen „Kalifen“ dominiert haben. Verantwortlich für die Niederlagen der Dschihadisten sind in erster Linie arabische Bodentruppen: Im Irak ist die von schiitischen Milizen flankierte Staatsarmee wieder auf dem Vormarsch. In Syrien ist es eine kurdisch-arabische Allianz, die von der US-Luftwaffe gestützt wird. Auch die Truppen von Baschar al-Assad können mit russischer Rückendeckung Erfolge gegen des IS verbuchen.

Eine regionale, geschweige denn internationale Strategie gegen den IS ist aber weiterhin nicht zu erkennen. Vieles bleibt Stückwerk. Für die Türkei sind nicht die IS-Terrormilizen, sondern die Kurden der PKK der Hauptfeind. Saudi-Arabien fühlt sich in erster Linie vom Iran bedroht.

An den Prioritäten von Riad und Ankara könnte auch die Umsetzung des Lösungsfahrplans zur Beendigung des Syrienkonflikts scheitern, auf den sich die internationale Staatengemeinschaft Mitte des Monats nach langem Ringen geeinigt hatte. Der Druck der Supermächte auf die regionalen Verbündeten der Kriegsparteien muss daher unbedingt aufrechterhalten, vermutlich sogar erhöht werden.

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