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Kommentiert: Jetzt rastet Erdogan völlig aus

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Der Mann rastet nun völlig aus. Er ist mit den Maßstäben der Normalität nicht mehr zu fassen, weil er unfassbar beleidigend wird. Dieser Alleinherrscher ist in jeder Beziehung unbeherrscht.

Bislang war die zurückhaltende Reaktion der deutschen Regierung richtig. Man konnte das lautstarke und verzerrte Geschrei dieses Herrn und seiner Abhängigen zur Kenntnis nehmen und denken: Starke Worte und das Zeigen von Muskeln sind kein Kunststück, manchmal nur schwer zu erklärende Diplomatie dagegen ist eine hohe Kunst. Und die von der Wahl geprägten Reaktionen in den Niederlanden waren kein Musterbeispiel für die Bewältigung einer Provokation.

Die von vielen ungeduldigen deutschen Landsleuten wegen ihrer angeblich zu defensiven Haltung zuweilen in unverschämter Wortwahl kritisierte Bundeskanzlerin hat dennoch Position bezogen. Sie hat eine klare Solidaritätsadresse Richtung Niederlande geschickt – und damit den Poltergeist am Bosporus in jene Rage getrieben, die ihn vollends die Kontrolle verlieren ließ.

„Schande über Dich!“ ruft er Angela Merkel zu. Hier brechen alle Dämme. Hier ist jemand komplett entgleist. Man kann auf solchen Schwachsinn nicht sachlich antworten. Man muss es jetzt auch nicht mehr versuchen. Es hat, das ist die Erfahrung der vergangenen Tage, keinen Sinn. Rechtlich ist das Verbot von Auftritten türkischer Politiker in unserem Land jederzeit möglich. Dass solche Auftritte gegen die türkische Verfassung verstoßen, ist ebenfalls Tatsache, spielt aber im postdemokratischen Erdogan-Land keine Rolle mehr.

Die Antwort auf Erdogans Raserei sind keine weiteren Reden und Analysen, sondern ein sofortiges Verbot von Wahlkampfveranstaltungen türkischer Politiker in Deutschland – es sei denn, es gäbe eine offizielle Entschuldigung für die unglaublichen Attacken mit diesem Repertoire, das von Schande über Staatsterrorismus bis zu den Nazi-Vergleichen reicht. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit Hass.

Das wäre ein Fall für die Einheit der Europäischen Union, für eine eindeutige gemeinsame Antwort. Aber die EU und ihr Spitzenpersonal mit Donald Tusk, Jean-Claude Juncker und dem neuen EU-Parlamentspräsidenten Antonio Tajani demonstrieren eine Lieblingsbeschäftigung, sie heißt: Schweigen im europäischen Walde. Das ist erbärmlich; denn nur die EU könnte Erdogan Paroli bieten – mit einer ernsthaften Alternative zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems und damit zur Unabhängigkeit von der Türkei. Das wäre die wichtigste Aufgabe der EU. Jetzt.

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