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Kommentiert: Inklusiv, aber richtig

Ein Kommentar von Peter Pappert

Deutschland ist an die UN-Behindertenkonvention, die es vor acht Jahren ratifiziert hat, gebunden. Dass im inklusiven Unterricht behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam lernen, steht nicht zur Debatte.

Das kann sich keine Schule, keine Landesregierung und kein Lehrerverband aussuchen. Die Frage ist nur, wie diese Maßgabe umgesetzt wird. Die Antwort lautet: mangelhaft. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

Vor ziemlich genau einem Jahr hat dasselbe Institut für denselben Verband den NRW-Pädagogen die gleichen Fragen gestellt. Das Ergebnis damals: mangelhaft. Das Geld hätte sich der VBE in diesem Jahr also sparen können. Oder hat er ein anderes Resultat erwartet? So absehbar die Aussagen der Lehrer, so unverständlich, wie rigoros die noch amtierende Schulministerin Löhrmann an ihrem Kurs bis zuletzt, bis nach dem Wahltag festgehalten hat.

In kaum einer Diskussion und zu keiner Zeit in den letzten Monaten war der hehre Anspruch der Ministerin auf Inklusion zu vereinbaren mit den Alltagserfahrungen von Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen, die guten inklusiven Unterricht bieten müssen und wollen. Die Bilanz ist – seit langem! – eindeutig: Es fehlt Personal. Es fehlen vor allem Sonderpädagogen. In einem Unterricht, in dem man weder behinderten noch nicht behinderten Kindern gerecht werden kann, wird im schlimmsten Fall das Gegenteil dessen erreicht, worum es der Inklusion geht: gemeinsames Lernen, selbstverständliches Miteinander, Toleranz. Und dieser schlimmste Fall ist leider nicht selten.

Die bisherige Landtagsopposition hat im Wahlkampf die Inklusionspolitik der Landesregierung massiv kritisiert. Die Defizite dieser Politik dürften einen nicht ganz unerheblichen Anteil an dem Wahldesaster von SPD und Grünen gehabt haben. Genauso massiv wird die künftige Landesregierung von CDU und FDP gefordert sein, die Mängel abzustellen.

Beide Parteien haben angekündigt, wegen der Personallage an den Regelschulen vorerst keine weiteren Förderschulen zu schließen. Das ist richtig, aber nicht die Lösung des Problems, sondern eine Hilfestellung bis zur Lösung. Denn die UN-Konvention ist verbindlich. Gleichzeitig werden Förderschulen auch in Zukunft gebraucht, weil ein Teil der behinderten Kinder nur dort gut gefördert und gebildet werden kann.

Die Lehrerinnen und Lehrer an den Regelschulen halten Inklusion trotz aller Probleme mehrheitlich für richtig. Sie ist und bleibt richtig, auch wenn sie nicht für jedes behinderte Kind taugt. Die künftigen Regierungsparteien in NRW haben hohe Erwartungen geweckt, aber die Agenda ist teuer, das Fachpersonal knapp. Es wird lange dauern, bis sich wirklich etwas verbessert. Die Erwartungen sind wahrscheinlich kaum zu erfüllen.

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