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Kommentiert: In unserer Mitte

Ein Kommentar von Annika Thee

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass zukünftig ein dritter Geschlechtseintrag im Geburtenregister möglich sein muss.

Eine richtige Entscheidung, die die Persönlichkeitsrechte von mindestens 80.000 betroffenen intersexuellen Menschen in Deutschland stärkt. Trotzdem ist der Aufschrei groß, besonders in den Sozialen Medien. Wo solle das hinführen? Und wieso nicht gleich 50 Geschlechter?

Kritiker schimpfen, dass es aus biologischer Sicht nur zwei Geschlechter geben könne – männlich und weiblich. Dagegen spricht aber die Analyse der Chromosomen betroffener Menschen. Bei Intersexualität lässt sich eben nicht genetisch bestimmen, ob die Person männlich oder weiblich ist.

Als Konsequenz aus dieser biologischen Besonderheit waren die Betroffenen vor allem gesellschaftlicher Stigmatisierung ausgesetzt. Sie wurden gezwungen, sich einer von zwei Kategorien zuzuordnen, mit denen sie sich nicht identifizieren können. Das Urteil ist nur die logische Konsequenz der gängigen Praxis. Denn seit 2013 besteht die Möglichkeit, die Eintragung im Geburtenregister offen zu lassen, wenn die Geschlechtszuordnung nicht eindeutig ist.

Ähnliche Gesetze gibt es bereits in vielen anderen Staaten, darunter Argentinien, Australien, Dänemark und Indien. Im Zentrum des Urteilsspruchs steht die positive Formulierung für die Geschlechtsbezeichnung intersexueller Personen. Das ist ein wichtiges Signal. Intersexuelle Mitbürger fallen damit nicht länger durch ein starres Raster, sondern erfahren, zumindest formell, Anerkennung und Akzeptanz statt Diskriminierung. Diesen Impuls gilt es nun auch in der Gesellschaft widerzuspiegeln.

Und keine Angst: Menschen, die das Urteil kritisieren, weil es vom Status quo abweicht, werden wohl auch nicht von seiner Umsetzung betroffen sein.

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