Kommentiert: Hire and fire

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Kommentiert: Hire and fire

Ein Kommentar von Peter Pappert

Ständig Trump, seine eigenen Rüpeleien und die seiner engsten Mitarbeiter...Was soll man dazu noch sagen? Versuchen wir es mal anders:

Die Zeitungen sind nun wieder voll mit Berichten und Kommentaren, in denen das angebliche Chaos im Weißen Haus gescholten wird. Dabei ist das unentwegte „Hire and fire“ – ein edler kapitalistischer Grundsatz – kein Beweis für Trumps vermeintliche Anarchie, sondern Ausdruck seines Gleichmuts und der tiefen Übereinstimmung mit seinen Anhängern. Die würden schließlich gerne mal jemanden feuern, sind dazu aber nicht in der Lage. Also macht ihr Präsident das für sie. Selten hat man einen solchen Einklang zwischen Wählern und Gewähltem erlebt.

Der US-Präsident hat diejenigen, die ihn ins Weiße Haus geworfen haben, genau im Blick: die ängstlichen Autoritären und die apokalyptischen Populisten, wie die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin Wendy Brown von der University of California in Berkely sie genannt hat.

Diese Klientel schätzt die harte Hand und fürchtet nichts so sehr wie Unordnung und Veränderung. Da Trump sofort nach Amtsantritt mit seiner Rauswurfpolitik begonnen hat, bleibt er nun konsequent dabei und lässt erst gar keine Verunsicherung aufkommen, auf Dauer werde es Abstriche an diesem fein austarierten Prinzip geben.

Jetzt ist also Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci geflogen, zumal er nicht berücksichtigt hatte, dass für Perversionen unterhalb der Gürtellinie ausschließlich der Präsident selbst zuständig ist; diese Region ist zu heikel für Anfänger. Der neue Stabschef John Kelly soll das „Hire and Fire“ nun längerfristig planen, um dem Präsidenten mehr Vorfreude zu gewährleisten und den betroffenen Mitarbeitern klare Perspektiven zu geben. Kellys Hauptproblem liegt darin, dass die meisten derer, die demnächst rausgeworfen werden, noch gar nicht eingestellt sind.

Zudem fordern Demokratie-Ästheten diesseits und jenseits des Atlantiks immer wieder, darauf zu achten, dass Ämter in der Politik auf Zeit vergeben und keine Erbhöfe sind. Trump setzt das endlich konsequent um; Angela Merkel mit ihren bald zwölf(!) Jahren im Kanzleramt hat es nie begriffen. Was der US-Präsident in sechs Monaten entlässt, schafft Merkel in sechs Jahren nicht.

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