Kommentiert: Helft den Schulen!

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Kommentiert: Helft den Schulen!

Ein Kommentar von Peter Pappert

Was am Dienstag an einer Schule im Kreis Unna geschah, ist grauenvoll und ein Ausnahmefall. Der schulische Alltag sieht anders aus, ist aber von anderen Formen der Gewalt geprägt.

Polizei und Schulexperten gehen davon aus, dass nur die schlimmsten Übergriffe überhaupt gemeldet werden.

An Schulen ist physische Gewalt seltener als psychische, und letztere kann äußerst brutal sein, wie viele Mobbing-Opfer bestätigen. Diese Fälle werden von der polizeilichen Statistik allerdings kaum erfasst, weil sie zumeist nicht angezeigt werden. Der Eindruck, dass Gewalt an Schulen zunimmt, ist weit verbreitet; belegen lässt er sich – so allgemein – mit Zahlen nicht.

Angst, das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit setzen Opfern zu, bevor sie verbal oder körperlich verletzt werden. Gerade in Schulklassen entsteht eine Gruppendynamik, die das Opfer isoliert; sogenannte Mitläufer tun nichts, Lehrer bemerken oft nichts. Polizei, Pädagogen und Psychologen setzen vor allem auf Prävention; und die muss jene einbeziehen, die zu Aggression in verschiedenen Formen neigen, und diejenigen, die Opfer von Gewalt sind oder werden können.

Beim Kampf gegen Aggression kommt es wie bei so vielen menschlichen Erfahrungen und Entwicklungen darauf an, was im Elternhaus geschieht oder unterlassen wird. Die Erkenntnis ist längst Allgemeingut: Was mit Kindern in deren allerersten Jahren richtig oder falsch gemacht wird, beeinflusst ganz erheblich das gesamte weitere Leben. Kinder zu erziehen, war nie einfach; die allgegenwärtigen Widerwärtigkeiten des digitalen Zeitalters bringen zusätzliche große Aufgaben mit sich.

Ein Kind, das Liebe spürt, das sich selbst, seiner Familie und verlässlicher Lebensumstände sicher sein kann, das Freiheit und Regeln kennt, das Respekt lernt, das offen seine Meinung sagen darf, das nicht allein gelassen wird mit Internet und Fernsehen, das nicht in Angst leben muss und, wenn es Angst hat, weiß, wer ihm schnell helfen kann, ein solches Kind ist gegen einen rabiaten Alltag in der Schule oder sonstwo besser gefeit und neigt selbst weniger zu Gewalt.

Ob sie nun Opfer oder Täter werden könnten: Sich intensiv um Kinder – um die jüngsten wie die älteren – zu kümmern, ist die beste Vorsorge gegen Gewalt. Das können Eltern alleine oft nicht schaffen; sie brauchen Unterstützung von Freunden, Nachbarn und Verwandten. Das Thema geht alle an: Kinderreiche wie Kinderlose. Denn in den Händen der Kinder liegt aller Zukunft. Genau hinzusehen, was mit Kindern geschieht, ist nicht zuletzt Pflicht von Kinderärzten und Kindergärten. Dafür müssen Kitas, deren Arbeit vielfach unterschätzt wird, entsprechend ausgestattet sein.

Selbstverständlich kommt Lehrerinnen und Lehrern – von der Grundschule bis zum Gymnasium – große Verantwortung bei der Gewaltprävention zu. Sie sind aber selbst oft Opfer. Sie haben es häufig mit aggressiven Schülern wie Eltern zu tun. Ihnen werden immer neue Aufgaben aufgeladen: Internetkompetenz, Inklusion, Integration und vieles mehr.

Dafür fehlen ihnen Zeit, sachgerechte Ausbildung und manchmal einfach die Nerven. Schulen sind nicht der Reparaturbetrieb für alles, was anderswo vergessen, vernachlässigt oder kaputt gemacht wird. Wer ihnen das zumutet, muss zumindest für ausreichendes Personal sorgen. Wer sich intensiv um Kinder kümmern soll, muss sich auch kümmern können.

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