Kommentiert: Gut, böse, klug, blöde

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Kommentiert: Gut, böse, klug, blöde

Ein Kommentar von Peter Pappert

Gutmensch“ ist kein Schimpfwort. „Gutmensch“ ist von den meisten Zeitgenossen, die diesen Begriff in den Mund nehmen, allerdings als solches gemeint.

Es wird als Waffe eingesetzt, um zu beleidigen. Deshalb haben Sprachwissenschaftler diesen Ausdruck zum „Unwort des Jahres“ erklärt. Hinter dem Gebrauch dieser Vokabel steckt allzu oft die herablassende Haltung von Leuten, die sich für besser, klüger oder realistischer halten als andere, denen sie vorwerfen, sich für besser, klüger oder weitsichtiger zu halten. Der Ausdruck „Gutmensch“ soll gute Menschen als naiv und welt- fremd abqualifizieren.

Eine Gesellschaft, die Wert legt auf Respekt, Rücksicht, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, braucht aber gute Menschen. Wenn diese guten Menschen zugleich gelassene Menschen sind, können und sollten sie die Bezeichnung „Gutmensch“ – obschon als Schmähung gemeint – als Lob annehmen. Nichts wird ihre Kritiker mehr ärgern.

Nicht erst, seit sich hierzulande intensiv und ehrenamtlich um Flüchtlinge gekümmert wird, werden streitbare wie nachdenkliche Leute als „Gutmenschen“ geschmäht. Das hat zuvor schon Gesundheits- und Genderbewusste, Gläubige, Umweltschützer, Atomkraftgegner, Nichtraucher und manche Avantgardisten getroffen. Andererseits ist nicht zu bezweifeln, dass es in hoch engagierter und emotionaler Hingabe an eine gute Sache auch immer wieder Übertreibungen gibt. Die wird man allerdings nicht in pauschaler, sondern nur in differenzierter Perspektive wahrnehmen.

Es geht nicht darum, im Alltag und Gespräch mit Angehörigen und Freunden, Nachbarn und Kollegen jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Die Wahl eines Unwortes oder Wortes des Jahres kann als Banalität am Rande behandelt werden. In einer Zeit, in der wenig Wert gelegt wird auf angemessene Wortwahl, in der über die sogenannten Sozialen Medien, über Twitter oder Facebook Dämlichkeiten und Hasstiraden en masse in die Welt po- saunt werden, schadet es nicht, Sprachbewusstsein zu fördern. Darum geht es der Gesellschaft für deutsche Sprache. Sie wird und will die Menschen nicht ändern; bessern kann sich jeder nur selbst.

Wer es gerne platt und pauschal haben möchte, den wird niemand daran hindern können, jene, deren Meinung er nicht teilt, über einen Kamm zu scheren und zu diffamieren. Wer es denn so haben will und über „Gutmenschen“ schwadroniert, ordnet sich damit selbst in den Dualismus ein; dann gibt es eben hier die Guten und dort die Schlechten. So einfach ist das.

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