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Kommentiert: Greift zu kurz

Ein Kommentar von Andreas Herkens

Na klar, da gibt´s doch keinen Zweifel. Bettelnde Kinder auf der Straße, vor Supermärkten, vor Touristenattraktionen oder an anderen Stellen unserer Städte, an denen Mengen von Menschen vorbeikommen: Das geht gar nicht!

So ist sicher bei vielen die erste Reaktion. Verständlich. Denn: Die Frage, ob das Betteln von Kindern verboten werden soll, ist zunächst einmal eine sehr emotionale Angelegenheit.

Da liegt es nahe, dass schnell von Ausbeutung und Mitleidseffekt die Rede ist, wenn Bilder von kleinen Kinderhänden, die sich Passanten entgegenstrecken, oder traurig blickenden Kinderaugen, die einen kaum kalt lassen können, ins Gedächtnis gerufen werden. Wer hat solche Szenen noch nicht gesehen? Noch nicht in solche Augen geblickt?

Die Chancen

Und es ist ja wohl auch was dran: Erwachsene, die mit Kindern neben sich um eine finanzielle Gabe bitten, haben bessere Chancen, am Ende auch wirk- lich etwas zu bekommen. Da werden die Herzen schon mal schneller weich, werden sich die Geldbörsen schon mal eher öffnen – auch wenn wohl immer noch die meisten einfach weggucken und weitergehen dürften. Also: Vorteilserschleichung. Oder?

Und was ist mit diesen Kindern? Müssen sie nicht geschützt werden? Wenn sie vielleicht stundenlang im Regen oder in knallender Sonne ausharren müssen? Wenn der Verdacht der Verwahrlosung besteht? Notfalls auch vor Eltern oder anderen Verwandten, die sie mitnehmen, um sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen? Bei einer Forsa-Umfrage haben sich 70 Prozent der Befragten für ein Bettelverbot für Kinder ausgesprochen . . .

Die Wurzel

Ein Verbot, mal eben so ausgesprochen und mit einem Bußgeld versehen, greift zu kurz. Es bekämpft vielleicht das Symptom, packt das Übel aber nicht an der Wurzel. Denn diese Menschen – oft sind es Angehörige von Roma-Familien, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen sind – sitzen nicht aus Spaß zum Betteln an erfolgsversprechenden Stellen.

Da fallen offenbar Menschen durch Raster. Müssen nicht Möglichkeiten gefunden werden, um hier effektiver zu unterstützen, zu helfen? Sicher, die Flüchtlingsthematik wirft viele Fragen auf, bringt viele Schwierigkeiten mit sich und Aufgaben, die auf einmal so eben schnell gelöst werden müssen. Initiative, Einfallsreichtum und Improvisationsvermögen sind gefragt. Das bindet viele Kräfte. Aber es hat auch keinen Zweck, die Augen vor Bettlern (mit Kindern) zu schließen. Oder, schlimmer noch, mit Parolen wie „Die müssten das ja nicht, wollen es vielleicht ja gar nicht anders“ zu hantieren.

Die Armut

Mal abgesehen davon: Wenn es Bußgelder gibt, wer soll die denn bezahlen? Die Bettler? Wovon denn? Und wie auch immer, man kommt nicht dran vorbei: Die Armut ist da – man kann sie nicht einfach mit einem Verbot wegradieren.

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