Kommentiert: Getroffen im Kern

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Kommentiert: Getroffen im Kern

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Am Wochenende dürfte es auf deutschen Autobahnen wieder hoch hergehen.

Viele heimkehrende Osterurlauber werden nicht nur im Stau stehen, sondern auch auf den Pannendienst warten. Wohl dem, der dann die ADAC-Karte im Handschuhfach liegen hat? Weit gefehlt. Treffen die jüngsten Vorwürfe zu, dass der Automobilclub seine eigenen Mitglieder auf dem Standstreifen warten lässt, um Fahrer mit „Mobilitätsgarantien“ bestimmter Autohersteller zu bevorzugen, dann hat sich der ADAC überlebt – endgültig.

Der Skandal um Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ hatte den Club zu Jahresbeginn in seine bis dahin schwerste Krise gestürzt. Er kostete Kommunikationschef Michael Ramstetter sowie Vereinspräsident Peter Meyer das Amt, führte zu einer Austrittswelle und einem schweren Vertrauensverlust. Doch getürkte Zahlen bei einem Preis, den bis dato kaum ein Autofahrer kannte und der zu allererst die Automobilkonzerne bauchpinseln sollte, sind das eine. Von einem ganz anderen Kaliber sind die neuerlichen Vorwürfe. Jetzt geht es ums ureigene Kerngeschäft des ADAC, um seine Mitglieder. Um jene Autofahrer also, die aus dem einen Grund Deutschlands größtem Club beigetreten sind: weil sie im Pannenfall schnell und zuverlässig Hilfe bekommen wollen.

Von diesem Grundsatz hat sich der Club längst entfernt. Unter dem Deckmäntelchen seines Vereinsstatus‘ konnte der ADAC lange Zeit verstecken, dass er sich zu einem großen Wirtschaftsunternehmen entwickelt hat. Es geht ihm um Profit, den ein Verein bekanntlich gar nicht machen darf. Deshalb hat der ADAC in der Vergangenheit ein schier undurchschaubares Kon-strukt mit verschiedensten Tochtergesellschaften geschaffen, die das Geld verdienen und es dem Verein dann abgeben.

Das Ergebnis dieses Gewinnstrebens sehen wir jetzt. Das einfache Vereinsmitglied bleibt wortwörtlich auf der Strecke. Aufgrund der vielfältigen Aktivitäten sind die Verquickungen zwischen ADAC und Wirtschaft inzwischen so groß, dass es geradezu skurrile Blüten treibt. So erhalten zum Beispiel Pannenhelfer einen Bonus, wenn sie Batterien einer bestimmten Marke in liegengebliebene Autos einbauen. Als mündiger Autofahrer hat man zum Glück Alternativen zum ADAC.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Club weiterhin die Verkehrspolitik unseres Landes wesentlich beeinflusst. Da werden sich in schöner Regelmäßigkeit die Bälle zugespielt. Wer den ADAC bei einem Vorhaben nicht auf seiner Seite weiß, braucht keinen Vorstoß zu wagen. Selbst im schwarz-roten Koalitionsvertrag gibt es Formulierungen zu Verkehrsvorhaben, die sich exakt so in ADAC-Verlautbarungen wiederfinden. Selbstredend, dass der finanzielle Nutznießer solcher Vorhaben letztlich auch der ADAC ist.

Wer will da noch an einen Neuanfang glauben, von dem die ADAC-Führung so vollmundig spricht? Der gelbe Engel ist gefallen. Und schon das Alte Testament lehrt uns, dass einmal gefallene Engel schwerlich eine zweite Chance bekommen.

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