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Kommentiert: Getroffen an der empfindlichsten Stelle

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Das neue Jahr ist noch jung, da liefert es aus der Region die ersten schlimmen Bilder, die uns Ende 2016 in den gängigen Rückblicken wieder begegnen werden.

Es sind die Bilder des komplett niedergebrannten Gebäudes des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH Aachen. Menschen sind bei dem verheerenden Großbrand zum Glück nicht ernsthaft zu Schaden gekommen, zu beklagen ist in erster Linie ein gewaltiger Sachschaden.  

Und doch: Das ruhmreiche WZL in Teilen in Schutt und Asche liegen zu sehen, tut weh und rührt selbst einen gestandenen Zwei-Meter-Hünen wie den geschäftsführenden Direktor Professor Günther Schuh zu Tränen. Als Außenstehender kann man nur ansatzweise erahnen, was diese Katastrophe für all jene bedeutet, die hier tätig sind. Nicht nur das WZL, das einen maßgeblichen Beitrag zur Exzellenz der Hochschule leistet, wurde an einer empfindlichen Stelle getroffen.  

Eine Katastrophe wie diese führt uns einmal mehr vor Augen, wie verletzlich und anfällig wir selbst in hochtechnologischen Bereichen sind, von denen wir annehmen, sie seien besonders gut geschützt. Man ist schon ein wenig erstaunt, wie es überhaupt sein kann, dass ein Gebäude, von dem es aus WZL-Kreisen heißt, es sei ein Herzstück des Instituts, in Rekordzeit ein Raub der Flammen werden konnte. Zumal die Feuerwache nur wenige hundert Meter vom Unglücksort entfernt ist und die Einsatzkräfte – ebenfalls in Rekordzeit – vor Ort waren und nach allem, was man weiß, einen sensationellen Job gemacht haben, um das Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude zu verhindern. Doch Spekulationen verbieten sich an dieser Stelle. Die Ermittlungen laufen. Wir haben die Ergebnisse abzuwarten. 

Auch über Aachen hinaus hat man die Ereignisse am Freitag zur Kenntnis genommen. Nicht umsonst gilt das WZL als Edelschmiede für Ingenieure von Weltruf. Klangvolle Namen aus der Vergangenheit sind mit der Einrichtung verbunden – Herwart Opitz, Walter Eversheim, Wilfried König, Manfred Weck, Tilo Pfeifer, allesamt Professoren von internationalem Rang. Doch die Protagonisten der Gegenwart stehen nicht minder für herausragende Qualität in Lehre und Forschung. Robert Schmitt, Fritz Klocke, Achim Kampker, Christian Brecher sowie der genannte Schuh. Sie verkörpern Gegenwart und Zukunft gleichermaßen.

Was jetzt in Schutt und Asche liegt, wird wieder aufgebaut werden. Wo, wenn nicht an einer der renommiertesten technischen Hochschulen der Welt?   Will die RWTH diesem Renommee gerecht werden, dann muss sie sich jetzt aber in erster Linie für die Mitarbeiter, Doktoranden und Studierenden starkmachen, die am WZL tätig sind und forschen. Noch besteht die Hoffnung, dass lediglich die Forschungsergebnisse der letzten beiden Tage durch die Flammen vernichtet wurden. Schlimm genug.

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