Kommentiert: Gefährliches Spiel

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Kommentiert: Gefährliches Spiel

Ein Kommentar von Bernd Büttgens

Wie eine Erlösung tönte am Donnerstag der Anpfiff durch die Welt!

Es ist WM, endlich, sie hat tatsächlich begonnen, alle Augen Richtung Brasilien, weil der Ball rollt. Gut so? Ja, natürlich ist das gut. Es geht wieder um das Wesentliche. Und den Fans in aller Welt sei es gegönnt. Die Wochen, Tage und Stunden der großen und kleinen Vorabgeschichten, die zumeist nur den Zweck haben, die Zeit bis zum Start zu verkürzen, sind vorbei. Es ist WM, und ab jetzt geht es mal in erster Linie um diesen wunderbaren Sport Fußball.

An dieser Stelle des Kommentars wird es schon den ersten Protest geben. Wunderbarer Sport?! Ja, im Kern ist dieses Spiel großartig. Es ist getragen von Ehrgeiz, Taktik und Fairness, von Wettkampf und Respekt, von großen Leistungen und tragischen Fehlentscheidungen, es hat Spannung und das Zeug zum großen Drama. Und ist am Ende nur das: ein Spiel eben. Eigentlich.

Und doch darf man sich dieser 20. Weltmeisterschaft nicht nur vorbehaltlos naiv nähern. Diese Spiele von Brasilien schreiben die tragische Geschichte fort, die der Weltfußballverband schon vor langer Zeit angezettelt hat. Sie findet sogar in Brasilien ihren vorläufigen Höhepunkt. Der Blick nach vorne – gerne auch bis Katar 2022 – garantiert jedoch noch schlimmere Auswüchse.

Der Teil der Berichterstattung über Brasilien 2014, der das korrupte System Fifa analysiert, ist kein substanzloses Geplänkel, sondern dringend erforderliche kritische Begleitung. Erschreckend, nach welchen Prinzipien die Blatter-Machtmaschinerie immer noch funktioniert. Wie sie geschmiert wird, wie sie erbarmungslos dazu auffordert, Geld und Ressourcen zu verschleudern. Ein Skandal! Das Spiel wird missbraucht, um Macht und Reichtum zu mehren. Aus dem System selbst müsste der Aufschrei kommen – von Funktionären, Spielern, Sponsoren und Ausrüstern. Aber dafür leben wohl alle zu gut davon.

So gehen die Menschen in Brasilien auf die Straße und protestieren. Das Milliardenspiel hier, die bittere Armut dort. Das geht nicht mehr lange gut. Der Fußball muss sich endlich dieser Verantwortung stellen, muss nachhaltig und vernünftig wirken.

Der erbärmliche Sumpf, in dem das wunderbare Spiel zu versinken droht, muss trockengelegt werden. Am Ende ist diese Hoffnung aber genau so utopisch wie die Prognose, dass Deutschland Weltmeister wird.

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