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Kommentiert: G7-Gipfel ist wichtig

Ein Kommentar von Peter pappert

Die Kritik kommt von vielen, und darunter sind auch politische Hochkaräter: unter anderem die Altkanzler Schmidt und Schröder.

Sie halten es für falsch, dass Russlands Präsident nicht zum G7-Gipfel eingeladen wurde. Schröders enges Verhältnis zu seinem Spezi Putin ist bekannt, und Schmidt hat noch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er auch mit Despoten stets gut auskam, weil politische Realität nun mal über politische Moral gehe. Dass die G7 unter sich bleiben wollen, ist dennoch richtig.

Dabei braucht niemand den dämlichen Streit über den Begriff „Putinversteher“ wieder aufzugreifen. Jeder vernünftige Politiker bemüht sich, den Mann im Kreml und dessen Motive und Handlungsweisen zu verstehen. Es irritieren nur jene, die ihn und die Aggressivität seines Regimes verteidigen. Nach allem, was Putin jüngst angestellt hat, kann man sich mit ihm nicht in derart vertraulicher Runde zusammensetzen. Das ist schon eine Frage des politischen Anstands; es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Damit ergreifen die G7 nicht automatisch Partei für die Regierung der Ukraine. In Kiew liegt viel im Argen; dessen ist sich der Westen bewusst.

Eine Insel

Dass die jeweiligen Gastgeber ihren G7-Gästen die Vielfalt und Schönheit ihrer Heimatländer präsentieren wollen, ist eine verständliche und schöne Geste; auch das gehört zum guten Umgang. Aber der personelle, materielle und finanzielle Aufwand für ein solches Gipfeltreffen ist zu hoch; wer ihn für angemessen hält, hat die normalen Maßstäbe ganz gewöhnlicher Menschen über Kosten und Nutzen verloren. Allerdings – das stimmt: Der direkte Kontakt ist wichtig, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und gute Lösungen zu finden.

Es wäre vernünftig, die großen und reichen Länder dieser Welt würden sich irgendwo zwischen Alcatraz und Helgoland eine kleine Insel suchen, ein paar hundert Millionen zusammenlegen und dort ein solides, sicheres und schönes Kongresszentrum mit Hotel bauen lassen. Da können sie jedes Jahr ganz entspannt und ohne tausend Türsteher den Gedankenaustausch pflegen, ihren Staatsetats jede Menge Geld ersparen und die Anlage zwischendurch teuer vermieten. Auch dort könnte der Vorsitz reihum wechseln und genug Vorsorge getroffen werden, um auch G8, G9, G10 oder G20 über die Bühne zu bringen. Dieser Vorschlag ist – touristisch betrachtet – eine Katastrophe. Aber der alljährliche Zirkus um die G7 ist dekadent.

Zwei Gebote

Dagegen zu protestieren, gibt es also gute Argumente. Und wer gegen die Politik einzelner oder aller aus dem Kreis der G7 demonstriert, kann das aus vielerlei nachvollziehbaren Gründen tun. Dieser – vor allem mit Blick auf Klimaschutz und Finanzmärkte – dringend notwendige Protest wird in den kommenden Tagen wahrscheinlich wieder überschattet werden vom blindwütigen Terror sogenannter Links- autonomer, die davon überzeugt sind, dass gegen „die strukturelle Gewalt des Kapitalismus“ jede Brutalität gerechtfertigt ist. Es ist ein Gebot der Fairness, beide Phänomene zu trennen: berechtigte Demonstrationen und hemmungslose Militante. Es ist ein Gebot der Klugheit und des eigenen Interesses, dass jene, die rund um Garmisch-Partenkirchen Sternmärsche und Camps organisieren, sich nicht vom altnationaldeutschen Antiamerikanismus leiten lassen.

So viele Probleme und so wenig Zeit – trotzdem bleiben diese G7-Treffen wichtig. Die Beteiligten müssen sich nur an ihren eigenen hohen Ansprüchen messen lassen, ohne Wenn und Aber Vorreiter sein – zum Beispiel bei der CO2-Reduzierung. Schöne Bilder wird es am Sonntag und Montag genug geben. Die werden niemanden von der Weisheit und Weitsicht der G7 überzeugen. Dafür müssten die sechs Herren und ihre Gastgeberin sehr konkret werden und mutig sein.

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