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Nina Leßenich

Kommentiert: Fragwürdiges Manifest

Ein Kommentar von Nina Leßenich

Der Weltenretter ist wieder da! Facebook-Chef Mark Zuckerberg scheint von dem steten Drang getrieben zu sein, ein nicht ganz nebensächliches Ziel zu verfolgen: die Rettung der Welt.

Oder zumindest deren grundlegende Optimierung – und auch das gehört ja zu den eher ambitionierteren Plänen.

Bereits im vergangenen Jahr hat er einen ersten Schritt in Richtung „Weltretter“ gemacht – und zwar einen drei Milliarden Dollar schweren mit seiner Spende an die Chan-Zuckerberg-Initiative. Auch die hat ein ambitioniertes Ziel: bis zum Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten auszurotten.

Nun also der nächste Coup. In einem rund 6000-Wörter umfassenden Essay verkündete Zuckerberg am Freitag sein neues Ziel. 6000 Wörter, die klingen wie ein Manifest. Die Kernbotschaft: Facebook soll zur Plattform einer „Global Community“ werden. Die weltweite Vernetzung aller Menschen soll gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen – in Sachen Gesundheit, Sicherheit, Bildung und gesellschaftlicher sowie politischer Partizipation.

Diente Facebook einst nur als Kommunikationsplattform, scheint das Rollenverständnis des Sozialen Netzwerkes inzwischen gewachsen zu sein – Facebook will offenbar noch stärker in das Leben seiner Nutzer eingreifen. Bei genauer Betrachtung von Zuckerbergs Essay wirkt das stellenweise fast gruselig – und erinnert den geneigten Leser dunkel an Dave Eggers dystopischen Bestseller „The Circle“, in dem eine mächtige Internet-Firma zunehmend soziale Kontrolle über die Gesellschaft erlangt. Und genau diese Parallele zeigt auch das Problem an Zuckersbergs „Weltverbesserungsplänen“ auf.

Sicherlich: In Zeiten, in denen ein US-Präsident die Globalisierung konterkariert und Mauern um sein Land ziehen will, ist es im Grunde löblich, für eine offene und vernetzte Welt zu kämpfen. Was wir jedoch nicht vergessen dürfen: Zuckerberg ist nicht bloß irgendein wohltätiger Philantrop. In erster Linie ist er der Kopf eines milliardenschweren Unternehmens, dessen Wachstum er nun versucht im Schafspelz des gesellschaftlichen Engagements voranzutreiben.

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