Heinsberg - Kommentiert: Frage der Rendite

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Kommentiert: Frage der Rendite

Ein Kommentar von Norbert F. Schuldei

Nein, das war kein Aprilscherz, wie Antonius Kopp vermutete. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Immerath/Holzweiler konnte nicht glauben, dass RWE in Erwägung zieht, dort mit dem Tagebau Garzweiler II Schluss zu machen, wo jetzt die Autobahn 61 verläuft. Morgen wird in St. Lambertus, dem Immerather „Dom“ das Ewige Licht ausgeblasen.

Damit ist auch das Gotteshaus, das längst schon nicht mehr im Besitz des Bistums ist, sondern dem Energieriesen gehört, für den Abriss freigegeben. Aber vielleicht kommt es ja gar nicht dazu, vielleicht wird Immerath ja gar nicht abgebaggert.

Weil RWE die Kohle gar nicht mehr braucht, die unter den Ortschaften Immerath, Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich, Berverath und Holzweiler lagert. Um die bereits für viele Millionen Euro aufgemöbelten Kraftwerke Neurath und Niederaußem zu füttern, reicht die Kohle aus dem Tagebau Hambach.

Die alten Kraftwerke müssten mit Milliardenaufwand modernisiert werden, um die CO2-Grenzwerte, die die Bundesregierung im Rahmen des Klimaschutzabkommens vorgibt, einhalten zu können. RWE muss sparen, denn ohne Frage lässt sich mit Kohle nicht mehr so viel Kohle machen wie noch vor wenigen Jahren.

Aber die RWE-Entscheidungsträger handeln noch genau so, wie die Kohlebarone zu Zeiten, als die Steinkohle noch das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik befeuerte: Selbstherrlich auf die bewährten Seilschaften vertrauend. Gut möglich aber, dass deren Reflexe heute von anderer Seite ausgebremst werden.

Jedenfalls klingt das, was aus Düsseldorf und Berlin zu hören ist, nicht so, als würde man dem Energieriesen für die weitere Nutzung der Kohle als Energieträger einen Persilschein ausstellen. Wie denn auch? Die Zeiten haben sich geändert, die Prioritäten haben sich auch ohne schlüssiges Energiekonzept verschoben.

Gut möglich auch, dass RWE Power sich im Hinblick auf die anstehenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft verdi „arm reden“ will. Politik läuft so, sie ist nicht selten dreckiger als die schwärzeste Kohle. Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen hat recht, wenn er von einer „Sauerei“ spricht und damit den Umgang sowohl des Energiekonzerns als auch der politisch Verantwortlichen mit den betroffenen Menschen umschreibt.

Die haben sich wohl oder übel schon mit ihrer neuen Lebenssituation abgefunden – und wissen plötzlich überhaupt nichts mehr. Politik hat ganz entschieden auch die Pflicht, den Bürgern verlässliche Rahmenbedingungen vorzugeben, in deren Grenzen sie ihr Leben gestalten können. Diesen Rahmen haben die Einwohner von Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestricht sowie Berverath derzeit nicht.

Das muss sich schnell, ganz schnell ändern. Allein der Umstand, dass gerade jetzt über den Sinn des Tagebaus Garzweiler II diskutiert wird, zeigt, dass man ihn nicht braucht. Für RWE Power ist nämlich alles eine Frage der Rendite.

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