Kommentiert: Fixierungen manchmal notwendig

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Kommentiert: Fixierungen manchmal notwendig

Ein Kommentar von Amien Idries

Bei den derzeit in Karlsruhe verhandelten Verfassungsbeschwerden zum Thema Fixierungen geht es zwar um spezielle Fälle aus der Psychiatrie, dennoch werden grundsätzliche Fragen zu diesen Zwangsmaßnahmen behandelt.

Fakt ist: Die Zahlen sinken zwar, dennoch wird von diesem Freiheitsentzug in allen pflegerischen Bereichen zu häufig und zu vorschnell Gebrauch gemacht. Darin sind sich fast alle Beteiligten einig. Ebenso einig sind sich fast alle Fachleute, dass es wohl immer Fälle geben wird, in denen zu dieser letzten Lösung gegriffen werden muss – so sehr man sich auch eine Welt ohne wünschen würde.

Herzen des Personals erobern

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Diskussion, die sich bei den aktuellen Fällen um die Frage dreht, ob es bei Fixierungen einen sogenannten Richtervorbehalt geben muss, bei dem ein Richter die Gründe für eine Fixierung kontrolliert. Das gibt es zwar bereits in manchen Bundesländern, in Bayern und Baden-Württemberg aber noch nicht. Eine entsprechende Entscheidung der Karlsruher Richter hätte bundesweite Strahlkraft.

In NRW müssen Fixierungen bereits durch Richter überprüft werden. Das ist praktikabel, weil eine ärztlich angeordnete Fixierung nachträglich von den Gerichten überprüft wird. Eine von manchen geforderte vorherige richterliche Zustimmung wäre hingegen praxisfern. Das gilt für psychotische Patienten, die ihre Umgebung gefährden, ebenso wie für Intensiv-Patienten, deren Hände nach einer Narkose gefesselt werden, damit sie sich nicht in Lebensgefahr bringen.

Die Debatte um den Richtervorbehalt führt aber am eigentlichen Problem vorbei. Ein Richter ist in der Regel medizinisch weniger bewandert und verlässt sich im Zweifelsfall auf die Expertise des Arztes, der die Fixierung zunächst veranlasst hat. Wer also Fixierungen weiter reduzieren will, muss noch mehr die Köpfe und Herzen der Pflegekräfte und Ärzte erobern.

Dem Personal muss immer bewusst sein, dass jede noch so harmlos wirkende Fixierung – etwa ein Bauchgurt – ein tiefgreifender Einschnitt in ein Grundrecht ist. Es muss bereits in der Ausbildung in den Köpfen verankert werden, dass bereits ein gegen den Patientenwunsch aufgestelltes Bettgitter den Straftatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt und nur erlaubt ist, wenn es einen eng definierten Rechtfertigungsgrund gibt.

Schlechtes Vorbild

Aber auch das gilt: Fixierungen ohne Rechtfertigungsgrund sind oft ein Zeichen der Hilflosigkeit des Personals.

Die kann etwa durch Personalmangel ausgelöst werden, wenn eine Altenpflegerin für zu viele demente Patienten zuständig ist. Wo dann schnell die Bettgitter hochgefahren werden, weil die Gefahr eines Sturzes droht und keine Zeit für eine 1:1-Betreuung ist.

Häufig mangelt es auch an der Kenntnis von Alternativen zum Freiheitsentzug, wie etwa Betten, die auf Bodenniveau gefahren werden können, Matten zur Verletzungsprophylaxe oder empathische Zuwendung. Das alles sind probate Mittel, um Fixierungen auf das absolut notwendige Minimum zu reduzieren. Sie müssen aber von den Angestellten gekannt und von den Anstaltsleitungen gewollt und finanziert werden. Dazu gehört auch, eine hauseigene Fixierungsstatistik zu erstellen, um das Problem bewusst zu machen.

Was an dieser Stelle nicht ratsam ist, ist der immer wieder vorgebrachte Blick nach Großbritannien, wo deutlich weniger fixiert wird. Hier werden die Patienten mit Beruhigungsmitteln zwangsmediziert. Ob diese pharmazeutische Fixierung die bessere Alternative ist, darf bezweifelt werden.

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