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Kommentiert: FDP und Vaterland

Ein Kommentar von Peter Pappert

Nach der Wahl in Bayern hätte die FDP allen Grund, zerknirscht zu sein. Ist sie aber nicht, denn sie hat jetzt genau das erreicht, was sie wollte: In der letzten Wahlkampf-Woche wird vor allem über sie und ihr politisches Überleben geredet. Und das hat den Liberalen stets geholfen, bei der Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.

Die FDP wird es auch am kommenden Sonntag schaffen; alle Erfahrung und der allerdings häufig vernebelte demoskopische Sachverstand sprechen dafür. Das Wahlergebnis der FDP wird am 22. September eher bei sechs als bei fünf Prozent liegen. Sie ist da selbst sehr zuversichtlich, hütet sich aber, diese Zuversicht erkennen zu lassen. Sie reitet jetzt die Mitleidsmasche und appelliert an die treuesten Anhänger der schwarz-gelben Koalition, nun bloß die Zweitstimme den Liberalen zu geben, damit das Vaterland nicht im Sozialismus versinkt. Mit Auseinandersetzung um Inhalte hat das nichts zu tun.

Die Argumentation der Liberalen hat zwar U3-Kindergarten-Niveau, aber Rösler und Co. wären blöde, wenn sie nicht versuchen würden, auf diese Weise noch ein paar Prozentpunkte zu sammeln. Das ist vor allem für die CDU gefährlich. Sie müsste gegen die Zweitstimmen-Kampagne der FDP ihre Anhängerschaft mobilisieren. Aber die ist längst träge geworden, weil Merkel doch sowieso Kanzlerin bleibt – wozu also die ganze Aufregung!? Ein paar christdemokratische Oberstrategen haben in einzelnen Wahlkreisen sogar Vereinbarungen mit der FDP getroffen: Die CDU wirbt dort vor allem um die Erststimme, während die FDP sich auf die Zweitstimme konzen- triert. Christdemokraten, die sich auf so etwas einlassen, müssen sich ihrer demoskopischen 40 Prozent sehr sicher sein.

Derweil ziehen SPD und Grüne an den letzten sechs Tagen ihren Wahlkampf durch; sie haben nichts mehr zu verlieren und wahrscheinlich kaum etwas zu gewinnen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie ihr wichtigstes Wahlziel verfehlen werden. Wenn die Demoskopen nicht völlig danebenliegen, werden beide zusammen nicht einmal das Ergebnis der Union erreichen.

Den Grünen macht der demoskopische Absturz sichtlich zu schaffen, und sie sagen ehrlich, dass sie vom Wahlausgang in Bayern enttäuscht sind. Sie müssen sich nun richtig ins Zeug legen, wenn sie ihr Ergebnis von 2009 übertreffen wollen. Die SPD reagiert auf die Landtagswahl im Süden der Republik so selbstgefällig und dumm, wie es zu erwarten war. Sie rühmt sich, weil sie zugelegt hat: 20,6 Prozent für die älteste deutsche Volkspartei! Darauf ist sie sogar stolz. Die SPD-Spitze leistet sich ein Maß an Anspruchslosigkeit, das sich dem der Liberalen nähert. Im Übereifer hauen Gabriel und Steinbrück dann noch heftig auf die FDP und tun ihr damit den größten Gefallen.

Die Liberalen werden in den nächsten 100 Stunden jedenfalls ihre immer gleiche und rührend schlichte Parole brüllen: Wir gegen die Gleichmacher! Und die sieht die FDP bei allen Parteien – von CDU/CSU bis zur Linken. „Am 22. 9. ist Freiheitstag“, schreibt FDP-Chef Rösler auf Facebook. Jetzt fehlt noch sein Aufruf, sich schon mal mit Konserven einzudecken. Schließlich weiß niemand, ob man nach dem Wahlsonntag noch so ganz frei in ein Geschäft gehen und sich da einfach was zum Essen aussuchen kann.

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