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Kommentiert: Es ist nicht gut

Ein Kommentar von René Benden

Der Blick auf die Arbeitslosenstatistik und die Konjunkturdaten war in den vergangenen Jahren eigentlich immer mit einem recht wohligen Gefühl verbunden. Arbeitslosigkeit sinkt, Konjunktur steigt – so die grobe Linie der jüngeren Vergangenheit.

Nun ist aber die Region, in der wir leben, der beste Beweis dafür, dass ein recht oberflächlicher Blick auf Statistiken, noch nichts über die tatsächliche Lebensqualität der Menschen besagt, die hinter diesen Zahlen stehen. Denn unsere Region ist eine der ärmsten in ganz NRW. Und das Bemerkenswerteste daran ist vielleicht, dass die auch bei uns positiven Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten daran nichts ändern.

Natürlich ist das Zusammenspiel ökonomischer und sozialer Entwicklungen komplex. Einfache Antworten, warum gerade die Städteregion Aachen im NRW-Vergleich abfällt, gibt es nicht. Und dennoch stechen bei der Ursachenforschung zwei Faktoren markant heraus: Mangelnde Bildung und schlechte Bezahlung gehören zu den gewichtigsten Gründen, warum Menschen in der Region in relativer Armut leben müssen.

Gute Bildung ist der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Diese Aussage ist so banal, dass sich die Frage aufdrängt, warum in dieser Region eigentlich immer noch so viele Menschen schlecht gebildet sind. Weit über 50 Prozent aller Arbeitslosen hier haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Ein nicht unerheblicher Anteil dieser Gruppe hat nicht einmal einen Schulabschluss.

Es ist nicht einmal so, als würde sich niemand um Ausbildungsabbrecher kümmern. Eine ganze Branche bietet Projekte und Hilfsmaßnahmen für diese Problemgruppe an. Nur sind diese Bemühungen selten effektiv. Viele Arbeitslose wandern von einer Maßnahme in die nächste, ohne realistisch die Chance darauf zu haben, einen Abschluss nachzuholen. Dass über die Finanzierung von Lehrerstellen und Schulsozialarbeitern immer noch diskutiert werden muss, ist geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, dass praktisch jeder Schulabbrecher in den Sozialbezug wandert, weil der moderne Arbeitsmarkt so gut wie keine Helfertätigkeiten mehr kennt. Diese Rechnung fällt langfristig effektiv höher aus.

Darüber hinaus muss die Frage gestellt werden, warum in einer Gesellschaft, die sich so sehr über Arbeit und Produktivität definiert wie die unsere, immer mehr Menschen zu wenig Geld haben, obwohl sie arbeiten. Die miserable Kaufkraft in unserer Region ist nämlich nicht nur eine Folge von immer noch relativ hoher Arbeitslosigkeit. Sie ist auch eine Folge schlechter Bezahlung. Wo nichts vom Lohn übrig bleibt, kann auch nichts investiert werden, von dem die regionale Wirtschaft profitiert.

Demzufolge müssen sich vor allem zwei Faktoren verändern, wenn sich diese Region gut für die Zukunft aufstellen will: Die Bildungsangebote, sowohl schulische als auch berufliche, müssen effektiver werden, damit die Zahl der Chancenlosen kleiner wird. Arbeit muss nachhaltig besser bezahlt werden. Auch da gibt es in der Region Nachholbedarf. Denn beispielsweise ist die Zahl sogenannter atypischer Arbeitsverhältnisse hier überdurchschnittlich hoch. Konjunktureller Aufschwung muss bei den Arbeitnehmern ankommen. Das ist nicht nur die Forderung von Politikern aus dem linken Spektrum. Es ist die Grundfeste der Sozialen Marktwirtschaft.

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