Kommentiert: Es geht auch anders

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Kommentiert: Es geht auch anders

Ein Kommentar von Daniel Gerhards

Die Bilder vom Abriss des Immerather Doms werden noch lange präsent sein. Zu traurig war es zu sehen, wie ein Wahrzeichen der Region binnen 24 Stunden einfach so verschwindet.

Damit hat RWE Power zwar den Weg für seine Braunkohlebagger freigemacht, die Bilder, die deutschlandweit durch die Medien gingen, könnten aber für RWE zum Bumerang werden. Sie zeigen allzu plastisch, wie es aussieht, wenn Menschen ihre Heimat genommen und ein Teil des kulturellen Erbes der Region zerstört wird.

Der Abriss der Kirche sorgt bei vielen Menschen für Fassungslosigkeit. Man muss nicht tiefgläubig, kein Umweltaktivist und kein Immerather sein, um den Abriss der ehemaligen Kirche entsetzlich zu finden. Aber wenn man die Bilder davon sieht, wenn man die Menschen darüber reden hört, kann man zum Braunkohlegegner werden.

Der Abriss an sich hat zwar erst einmal wenig mit der Frage zu tun, wie lange wir Braunkohle noch für die Energiesicherheit brauchen. Wenn man aber weiß, dass die Erneuerbaren Energien am Neujahrstag einem Bericht zufolge zeitweise 95 Prozent unseres Strombedarfs abdeckten, fragt man sich, ob noch Kirchen für die Kohle fallen müssen. Die in Keyenberg, Kuckum und Berverath wären im Abbaugebiet Garzweiler II die nächsten.

Dass am Wochenende in Immerath einige Kirchenfenster nicht gerettet werden konnten, obwohl es eine private Einrichtung gab, die sie auf eigene Kosten ausbauen wollte, ist nicht nachvollziehbar. Es wirft vielmehr die Frage auf, ob es richtig ist, dass RWE Kulturgüter zerstören darf, um an die darunter lagernde Braunkohle zu kommen. In dieser Frage kommt RWE billig davon – mit dem Segen der Politik. Denn RWE hat sich rechtlich korrekt verhalten.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Sachsen. Dort musste Heuersdorf einem Braunkohletagebau weichen. Weil die dortige Emmauskirche aber eine kulturhistorische Bedeutung hatte, wurde sie 2007 von einem Spezialunternehmen aufgeladen und nach Borna versetzt. Natürlich ist die Emmauskirche weitaus kleiner als der Immerather Dom. Aber wenn es in Heuersdorf möglich ist, eine ganze Kirche zu versetzen, dann muss es in Immerath zumindest möglich sein, Kirchenkultur zu erhalten. Auch wenn das Geld kostet. Und wenn Kirche und RWE das nicht alleine hinbekommen, ist die Politik gefordert.

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