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Kommentiert: Er geht, wer bleibt?

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Nun hat er endlich seinen Rücktritt erklärt, dieser Joseph Blatter, diese einzigartige Reizfigur, diese Negativ-Karikatur eines Funktionärs, diese Inkarnation der Eitelkeit, diese unfassbare Kombination aus Selbstherrlichkeit, Selbstverliebtheit und Selbstgerechtigkeit.

Sogar der Abgang Dienstagabend war eine niveau- und stillose Bestätigung charakterlicher Armseligkeit.  Der Mann, der von allem nichts wusste, die Unschuld von der Schweizer Fußball-Alm, fühlt sich im Stich gelassen von den Verbänden, den Fußballern, den Vereinen.

Er wirft ihnen vor, dass sie sein Mandat nicht unterstützten. Er hätte es, so gaukelt er uns das bis zuletzt vor, doch so uneingeschränkt verdient gehabt, dieses Vertrauen. Ausgerechnet er!  Sepp Blatter, der Aufklärer, der Reformer, der Unverstandene. Zitat Dienstagabend: „Ich habe für Reformen gekämpft, bin aber nicht damit durchgekommen.“

Der arme Mann. Von wem hat er sich vor vier Tagen denn wählen lassen? Von Leuten, die seine Reformen verhindert haben? Warum hat er sich bei denen – in welcher Form auch immer – eingeschmeichelt, wenn das doch so böse uneinsichtige Leute sind?  Neue Enthüllungen, neue Korruptionsvorwürfe.

Der  Tag hatte es wieder in sich. Die Recherchen, Verdachtsmomente und möglicherweise schon erste Beweise reichten bis in den Kreis enger Blatter-Vertrauter. Für den großen Sepp war das im Showdown von Zürich kein rhetorisches Problem: „Wir haben keine Kontrolle über die Haltung von einzelnen Funktionären der Verbände.“ Die sind verantwortlich, die sind schuldig, die sind korrupt. Nicht ich, der harmlose Sepp. 

Blatter geht, aber alle, die ihn gewählt haben, sind noch da. Die Bestecher und die Bestochenen sind ebenfalls noch da. Das Fifa-Gesicht ist bald verschwunden, manche Fratze dahinter noch lange nicht. Der Weltfußballverband braucht revolutionäre, nicht evolutionäre Veränderungen. Da hat auch der größte nationale Fußballverband der Welt keinen Grund mehr zum Wegducken; jetzt sind vom DFB Konfliktbereitschaft und Verantwortung gefragt.

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