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Kommentiert: Ende des Hochmuts

Ein Kommentar von Peter Pappert

Dem Bistum Limburg bleibt Tebartz-van Elst erspart – und umgekehrt. Alles Andere als dieses Ende wäre eine Überraschung gewesen.

Auch wenn er den Rücktritt nicht angeboten hätte, wäre er niemals nach Limburg zurückgekehrt. Das ist so sicher wie das Amen in der Messe.

Tebartz hat durch seinen Amtsmissbrauch, sein reaktionäres Handeln und seinen Starrsinn die deutsche katholische Kirche schwer beschädigt, deren Glaubwürdigkeit untergraben.

Erleichterung macht sich breit. Man kann es aber durchaus noch präziser fassen: Jene Katholiken hierzulande, die mit der gestrigen Entscheidung hadern, würden ihre Kirche sowieso gerne vor das Zweite Vatikanische Konzil zurückführen. Der Kampf um Erneuerung, um die Zukunft der Kirche tobt – zumeist verborgen hinter den Kulissen, wie es sich in der katholischen Kirche gehört. Dabei funktionieren die alten Seilschaften; so schnell kann Franziskus nicht aufräumen.

Zumindest aber sind seit gestern markante Äußerungen der vergangenen Wochen zugunsten von Tebartz – namentlich jene vom Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, und von Kurienerzbischof Georg Gänswein, dem engsten Mitarbeiter von Benedikt XVI. – als reine Propaganda entlarvt.

Es waren ideologische Raketen, Kampfrufe, über die sich viele Bischöfe massiv geärgert haben, zumal sie dem alten Muster entsprachen, das seit vielen Jahren die Debattenlage bestimmt: Die Dialogbereiten und Offenherzigen unter den deutschen Oberhirten halten sich öffentlich zurück, während Hardliner und Reformunwillige auf die Pauke hauen.

Auch wenn in Zeiten franziskanischer Barmherzigkeit und Bescheidenheit für den Hochmut eines Tebartz-van Elst kein Platz ist, wird er eine neue Aufgabe erhalten; der Vatikan hat seine gefallenen Schafe noch immer weich aufgefangen. Für die deutsche Kirche ist dieser uneinsichtige Mann Vergangenheit. Ob das auch für seine Positionen, für seine Amtsauffassung und Haltung gilt, ist offen.

Eben darum wird ja gerungen. Tebartz‘ mondänes Gehabe ist nichts, was von irgendjemandem – außer unverbesserlichen Traditionalisten – verteidigt wird. Aber der autoritäre Stil, die vorkonziliare Amtsanmaßung und Respektlosigkeit gegenüber Vertretungs- und Kontrollgremien waren und sind nicht auf den Ex-Limburger beschränkt. Da werden sich die deutschen Bischöfe noch viele heftige Auseinandersetzungen liefern – keine leichten Zeiten für ihren neuen Vorsitzenden Marx.

Der Münchener Kardinal hat am Mittwoch mehr Transparenz bei den Kirchenfinanzen versprochen, um „so die Glaubwürdigkeit unserer Kirche zu fördern“. Das ist über den Limburger Skandal hinaus dringend erforderlich. Seit gestern ist der mehr als hundertseitige Abschlussbericht der Prüfungskommission im Internet zu lesen. Die Lektüre ist erschreckend: Es wurde getäuscht, getarnt, geaast.

Der Bericht offenbart, dass der damalige Bischof Tebartz-van Elst mit dem Geld der Gläubigen auf eine Weise umgegangen ist, die an Zeiten absolutistischer Fürsten erinnert.

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