Kommentiert: Einheit und Vielfalt

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Kommentiert: Einheit und Vielfalt

Ein Kommentar von Peter Pappert

Das war mehr als nur eine freundliche Verbeugung vor Aachen und dessen europäischen Ambitionen. Helmut Dieser tritt sein neues Amt an, und seine ersten Worte gelten Europa.

Er macht sich Sorgen um den Zusammenhalt der Völker und der Gesellschaft. Das betont er immer wieder. Da sieht er die Kirche in der Pflicht und verschweigt nicht deren Defizite. Viel zu tun.Die Erwartungen an den neuen Bischof sind hoch.

Diejenigen, die sich in den Gemeinden und im Bistum ehren- wie hauptamtlich engagieren, sind gespannt. Diesers intensives Werben um deren Beistand und Mittun entspricht der Größe der Aufgabe. Ein Bischof allein kann gar nichts – bei aller Zuversicht, die Helmut Dieser ausstrahlt. Er will ermutigen. Jetzt kommt es auch darauf an, dass sich jene, denen an ihrer Kirche etwas liegt, ermutigen lassen und mitmachen. Wobei niemand gezwungen ist, auf Initiativen des Bischofs zu warten.

Helmut Dieser will – wie seine Vorgänger Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff – an der Spitze der Diözese nicht auf dem hohen Ross sitzen. Er will kein Bischof sein, der von vornherein weiß, was richtig oder falsch ist. Intensiv vermittelt er den Eindruck, dass er am Austausch mit den Gläubigen interessiert ist, um sich selbst zu prüfen, um sich inspirieren zu lassen, um zu lernen.

Er ist freundlich und im besten Sinne fröhlich, verbindlich, zugewandt und spricht eine in höheren Kirchenkreisen eher seltene klare Sprache. So erleichtert Dieser engagierten Katholiken, Vertrauen in die Zukunft ihrer Kirche zu fassen. Insofern waren die Feier im Dom und die ersten Begegnungen ein guter, hoffnungsvoller Auftakt für den neuen Bischof und sein Bistum. Im Alltag wird es schwieriger sein, all jene zusammenzuhalten, die doch auseinanderdriften – im hiesigen Bistum so wie in den anderen auch.

Was bedeutet denn jenes Versprechen zur Gemeinschaft, das so viele Vertreter diözesaner Räte und katholischer Verbände und Einrichtungen in der Aachener Chorhalle dem neuen Bischof gegeben haben? Was bedeutet jener Gehorsam, den zu leisten in der päpstlichen Ernennungsurkunde „Klerus und das gläubige Volk“ ermahnt werden? Es wird sich zeigen, wie ernst beide Seiten das nehmen und wie viel Spielraum sie sich gegenseitig zugestehen.

Man legt Wert auf die Einheit mit und unter dem Papst und ebenso auf den praktizierten Glauben und die konkrete Seelsorge der eigenen Ortskirche und der eigenen Gemeinde. Einheit und Vielfalt zu vereinbaren, ist die immerwährende Aufgabe der katholischen Kirche als „Ecclesia semper reformanda“. Das fällt ihr häufig schwer; ändern wird sich daran nichts. Es kommt auf die Balance an und eben auf jene, die immer wieder neu dazu bereit sind, diese Balance zu halten. Helmut Dieser bringt dafür gute Voraussetzungen mit.

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