Kommentiert: Eine Totgeburt

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Kommentiert: Eine Totgeburt

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Seit dem denkwürdigen AfD-Parteitag Anfang Juli konnte man Wetten darauf abschließen: Bernd Lucke würde seinen Rausschmiss nicht als Warnung sehen, in Zukunft die Finger von der Politik zu lassen.

Hätte der Wirtschaftsprofessor aus Hamburg besser einmal Goethes „Zauberlehrling“ gelesen. Dann wüsste er, welche Folgen es hat, Geister, die man einmal rief, erneut heraufzubeschwören. Man wollte ihm und seinen Getreuen noch zurufen: Verschont uns von einer weiteren Splittergruppe! Vergebens.

„ALFA“ heißt nun also Luckes neues politisches Baby. Eine politische Totgeburt. Die Entwicklung der Alternative für Deutschland hat eindrucksvoll bewiesen, dass sich rechts neben CDU und CSU keine demokratische Partei ernsthaft einrichten kann. Zu stark wirkt der Magnetismus des rechten Bodensatzes.

Angetreten mit dem Ziel, den Euro abzuschaffen und Europa zu retten, hatte sich die AfD in kurzer Zeit zu einem unappetitlichen „Pegida“-Sprachrohr mit zunehmend ultrarechtem Sammelbecken entwickelt. Lucke hängt zwar noch der naiven Vorstellung nach, dass seine Ex-Partei nun als „Schutzschild“ gegen Rechts fungieren könnte. Doch die Gefahr ist groß, dass er auch dieses Mal scheitern wird. Ob „ALFA“ oder AfD – sie werden sich gegenseitig Stimmen wegnehmen. Luckes neue Partei hat nur dann eine minimale Chance, ernst genommen zu werden, wenn ihr der schwierige Spagat zwischen den Etiketten „liberal“ und „national“ gelingt. Eine rein liberale Partei hat gegen die etablierte und sich wieder im Aufwind befindliche FDP keinerlei Erfolgsaussichten.

Lucke müsste sich liberal-konservativ positionieren, ohne erneut zum rechten Rand abzudriften. Das gleicht einer Jonglage mit fünf brennenden Fackeln auf einer Rasierklinge. Und als besonders geschickter Politjongleur ist Lucke in der Vergangenheit nicht gerade aufgefallen. Schon im Bundestagswahlkampf hatte er begeistert Beifall geklatscht, als seine Partei in Ostdeutschland mit Grenzkriminalität und Asylpolitik auf Stimmenfang ging. Wirklich liberal war Lucke nie. Und die rechten Geister sind schnell zurück.

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