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Kommentiert: Ein Armutszeugnis

Ein Kommentar von Hermann-Josef Delonge

Am Montag hat sich der Wirtschaftsrat der CDU in der Diskussion um Klimaschutz und Klimaziele zu Wort gemeldet.

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Bonn warnt er vor einer „ideologischen Übersteuerung“ und spricht von einer drohenden „Deindustrialisierung“ als Preis für „deutsche Alleingänge bei der Dekarbonisierung“, also der Reduzierung von Kohlendioxid.

Es ist immer die alte Leier, und wer die anschlägt (das tut übrigens nicht nur der CDU-Wirtschaftsrat, sondern auch die SPD-nahe Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), der hat immer noch nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Genau darum nämlich: Der Klimawandel wird nicht mehr aufzuhalten sein, sollte es uns nicht gelingen, die Ausbeutung der Umwelt zu stoppen.

Bedeutet: Sollte die Erderwärmung nicht bei deutlich unter zwei Grad gestoppt werden, könnte es zu nie erlebten Wetterextremen kommen, ganze Landstriche und Länder könnten vom Meer verschluckt werden. Laut Weltwetterorganisation ist die Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung bereits um rund 1,2 Grad gestiegen. Es wird also höchste Zeit. Das sagt nicht irgendeine Umweltorganisation, das sagen die Vereinten Nationen in ihrem Klimabericht.

Diese Erkenntnisse sind wahrlich nicht neu. Nicht neu ist auch, dass Politiker weltweit Versprechungen zum Klimaschutz machen, diese dann aber nicht einhalten. Die deutsche Kanzlerin ist da keine Ausnahme. „Wir werden unsere Klimaziele erreichen. Das verspreche ich Ihnen“, hat Angela Merkel im Wahlkampf gesagt. Wie sie das erreichen will, hat sie nicht gesagt.

Und alle Zeichen und Zahlen weisen darauf hin, dass ihr das nicht gelingen wird. Das Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken, droht spektakulär zu scheitern. Das ist ein Armutszeugnis. Da nützt es auch nichts, mit den Fingern auf andere Länder zu zeigen und vor „nationalen Alleingängen“ zu warnen, wie es die FDP tut. Deutschland ist sechstgrößter Verursacher von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid. Das Klima und sein Schutz ist ein Gemeingut, für das wir endlich Verantwortung übernehmen müssen – weltweit, aber auch in Deutschland.

Dazu gehört selbstverständlich auch der baldige Ausstieg aus der Kohleverstromung. Natürlich muss der gut organisiert und sozial verträglich gestaltet werden, das versteht sich von selbst. Aber er muss in Angriff genommen werden, und deshalb müssen sich die Jamaika-Koalitionäre in spe auf ein konkretes Szenario verständigen. Und das dann auch mal umsetzen.

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