Kommentiert: Ehrenamt stärken

Radarfallen Bltzen Freisteller
6203461.jpg

Kommentiert: Ehrenamt stärken

Ein Kommentar von Daniel Gerhards

Ohne Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft arm dran. Gäbe jeder Ehrenamtler sein Engagement auf, reduzierten sich unkomplizierte Hilfe, zwischenmenschliche Wärme und Freizeitangebote auf ein Minimum.

Deshalb muss der Staat das Ehrenamt fördern, wo er kann.

Denn staatliche Institutionen wären nicht einmal im Ansatz in der Lage, all die Arbeit, die Ehrenamtler leisten, zu übernehmen. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 engagieren sich 44 Prozent der über 14-Jährigen ehrenamtlich, 27 Prozent sind in einem Verein oder einem ähnlichen Zusammenschluss aktiv. Tendenz steigend. Man mag sich gar nicht vorstellen, dass all das, was Ehrenamtler leisten, als Dienstleitung in Rechnung gestellt würde.

Das Ehrenamt ist aber auch erfüllend für die Menschen, die freiwillig viel Zeit und Herzblut in ihre Aufgabe investieren. Unentgeltlich in Sportvereinen, in Kirchen, in Schulen, in der Flüchtlingsarbeit oder in der Pflege zu arbeiten, schafft soziale Kontakte, hilft den Freiwilligen sich weiterzubilden und bereitet ihnen Freude. Kaum jemand ist Ehrenamtler aus reinem Altruismus.

Trotz dieser offenkundigen gesellschaftlichen Vorteile des Ehrenamtes liegt nicht alles so klar, wie es scheint. Denn zuweilen stoßen ehrenamtliche Initiativen in Bereiche vor, die eigentlich dem Staat vorbehalten sein sollten. Das wird am Beispiel der Tafeln deutlich. Das Engagement jedes einzelnen Tafel-Ehrenamtlers ist äußerst lobenswert. Allerdings bekämpfen die Tafeln nicht die Ursachen der Armut. Sie lindern nur die Symptome. Die Tafeln sind ein gutes Beispiel dafür, dass Ehrenamtler dem Staat zeigen, wo er nicht funktioniert. Das Problem lösen können sie aber nicht. Der Staat ist offenkundig nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass jeder Einwohner genug zum Leben hat. Das zu ändern, ist Aufgabe der Politik. Sie darf sich nicht darauf verlassen, dass Ehrenamtler versuchen, die Unzulänglichkeit bei der Existenzsicherung auszugleichen.

Der Staat sollte also anstreben, Institutionen wie die Tafeln überflüssig zu machen. Solange man sie noch braucht, muss die Politik das Ehrenamt aber stärken. Dafür haben die Staatsorgane ausreichend Möglichkeiten. Sie können für ihre Ehrenamtler in die Rentenkasse einzahlen. Sie können behördlichen Strukturen vereinfachen, in denen sich Ehrenamtler bewegen. Sie können freiwillige Arbeit für Menschen mit geringerem Einkommen mit Fahrkostenzuschüssen oder überschaubaren Aufwandentschädigungen attraktiv machen.

Es gibt Beispiele, die zeigen, dass das möglich ist. Aber sie sind selten. Diese staatliche Zurückhaltung könnte ein Grund dafür sein, dass Arbeitslose und Ruheständler laut einer Studie im Ehrenamt unterdurchschnittlich stark repräsentiert sind, obwohl sie eigentlich Zeit hätten, sich zu engagieren.

Wenn der Staat das Ehrenamt fördert, bedeutet das also nicht, dass er damit die Probleme defizitärer Sozialsysteme, den Pflegenotstand oder schleppende Integration löst. Sondern er schafft damit viel mehr die Möglichkeit, dass Menschen sich einbringen, um die Gesellschaft besser, gerechter und lebenswerter zu machen. Und das verdient Unterstützung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert