Kommentiert: Dürfen, nicht müssen

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Kommentiert: Dürfen, nicht müssen

Ein Kommentar von Karl-Peter Hermanns

Warum denn eigentlich nicht? Warum sollen Arbeitnehmer nicht bis 70 arbeiten dürfen, wenn sie denn wollen?

Wenn auf der einen Seite die Rente ab 63 angeboten wird, sollte auf der anderen doch auch die generelle Möglichkeit bestehen, dass man erst später in den Ruhestand geht – so weit es Gesundheit und körperliche Verfassung erlauben. Wohlgemerkt: Man soll dürfen, nicht müssen!

Hier sind gerade die Arbeitgeber gefordert. Sie stöhnen seit langem schon über fehlende qualifizierte Kräfte. Bitte, dann lasst doch die, die dem Betrieb ihre Kenntnisse und Fähigkeiten länger zur Verfügung stellen wollen, in der Buchhaltung, am Zeichenbrett oder in der Montagehalle.

An die Gewerkschaften die Mahnung: Es ist Kür, keine Pflicht. Es ist also nicht die Ausweitung der Rente mit 67 auf eine noch längere Lebensarbeitszeit. Die Arbeitgeber andererseits sollten auf große Flexibilität setzen. Es müssen ja keine Fünf-Tage-Wochen sein, man kann sich doch intelligente Zeitmodelle vorstellen: weniger Stunden am Tag, weniger Tage in der Woche, längere Pausen, Urlaubs- und Erholungsphasen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

Viele Arbeitnehmer würden nach Untersuchungen verschiedener Organisationen gerne tätig bleiben. Das belegt unter anderem die Zahl der Menschen, die als Senioren ihre Erfahrungen weitergeben wollen, das aber im Betrieb nicht mehr dürfen. Sie bringen sich oft ehrenamtlich ein – ein gutes und wichtiges gesellschaftliches Engagement, aber nicht die Lösung für alle.

Und die Politik? Sie könnte ihrerseits einen Anreiz setzen: Die Rentenbeiträge, die Arbeitgeber auch für über 65- bis 67-jährige Weiterbeschäftigte zahlen müssen, sollten sich steigernd auf das Altersruhegeld auswirken. Das tun sie bisher nämlich nicht – eine von vielen kleineren und größeren Ungerechtigkeiten.

Wenn man überlegt, wie rasch und teilweise überhastet manche Rentenreformen verabschiedet worden sind und wie viele systemfremde Leistungen die Rentenversicherung tragen muss, wäre es sicherlich nicht verkehrt, auch einmal Entlastendes zu beschließen. Und das wäre eine in die freie Entscheidung jedes Einzelnen gestellte Verlängerung der Lebensarbeitszeit allemal – übrigens nicht nur bis 70.

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