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Kommentiert: Die jungen Europäer und die frohe Osterbotschaft

Nun haben wir genug über Europa, die EU und die uns bevormundende Bürokratie gejammert. Wir haben die populistische Inszenierung über die Allmacht von Nationalstaaten ertragen und sogar erleben müssen, dass auf diesem Weg zurück demokratische Rechte mit Füßen getreten werden – wie in Polen und in Ungarn.

Wir haben die EU kleingeistig in eine Ecke gestellt, in die sie nicht gehört, erst recht, wenn wir sie mit anderen Regionen, Ländern und Kontinenten vergleichen. Wir tun so, als sei sie im Gegensatz zu den Nationalstaaten geprägt von einer überbordenden Regulierungswut, die in Wahrheit jedoch häufig von den nationalen Regierungen verursacht wird.

Es gehört zur frohen Botschaft am Osterwochenende, dass vor allem in der jungen Generation das Plädoyer für Europa eine seriöse und energische Bewegung geworden ist. Sie zeigt sich jeden Sonntag in vielen Städten Deutschlands, darunter mit großem Erfolg in Aachen auf dem Katschhof. Das ist endlich einmal keine Hymne des Nein, sondern des Ja.

Zuversichtlich statt mutlos

Hier gehen Leute für und nicht gegen etwas auf die Straße – für eine grandiose völkerverbindende Idee. Sie wissen, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. Sie haben begriffen, dass nur ein europäischer Staatenbund in der Lage ist, global verursachte Probleme zu lösen. Die EU ist trotz aller Macken die demokratischste und vielseitigste politische Landschaft des Planeten Erde.

Die frohe Botschaft: Das sind Freiheit und Solidarität, Gestaltungswille und -kraft. Und dank Papst Franziskus weht ein anderer Wind, den wir doch spüren, den wir nutzen sollten, um zuversichtlich statt mutlos nach vorne zu schauen. Wie sich Kirche trotz aller Schwerfälligkeit schon geändert hat, sieht man an manchen persönlichen Schicksalen. 2002 wurde der französische Priester Jacques Gaillot als Bischof von Evreux (Normandie) abgesetzt, weil er Sätze wie diesen sprach: „Die Kirche muss die Kirche der Ausgeschlossenen sein, nicht die Kirche des Ausschlusses. Christus hat diesen Weg am eigenen Leib erfahren: den Weg des Verlassenseins, der ungerechten Verurteilung, des Ausgegrenztseins.“

Unser Europa kriegt Ihr nicht!

So ähnlich spricht heute der Papst. Franziskus kann auf einen Gleichgesinnten zurückblicken: Bei der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils sprach Papst Johannes XXIII. von Menschen, „die zwar voll Eifer, aber nicht gerade mit einem großen Sinn für Differenzierung und Takt begabt sind, die alle Entwicklungen der gegenwärtigen Zeit als Missstände, als Entwicklung zum Schlechten beschreiben. Wir müssen diesen Unglückspropheten widersprechen!“

Die EU, der Pulse of Europa, in Aachen und in anderen Städten, sie sind die Unabhängigkeitserklärung gegenüber nationalistisch angehauchten Versuchen der Einflussnahme. Sie stärken die Meinungs- und Redefreiheit, Kernkompetenzen der EU, und damit ihre Grundidee.

Ihr Rechtspopulisten, merkt Euch eins: Unser Europa kriegt Ihr nicht! Denn Europa ist nicht irgendein Markt und nicht nur der Euro, Europa ist die Entscheidung für einen Lebensstil, für ein vielseitiges Zusammenleben, für eine offene Gesellschaft, für gemeinsame Pläne und Träume. Europa ist Freundschaft und Integration. Europa war auch die Rückkehr von Griechenland, Spanien und Portugal zur Demokratie und der Fall der Berliner Mauer. Europa ist Freiheit. Europa: Das ist unsere Heimat.

Ostern eignet sich nicht als Anlass zur Mutlosigkeit. Wir feiern das hohe Fest des begnadeten Unruhestifters Jesus.

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