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Kommentiert: Die Fifa-Farce

Ein Kommentar von Christoph Pauli

Gianni Infantino hat sein Wahlversprechen eingelöst, die Weltmeisterschaft wird aufgebläht. Die Zustimmung kommt nicht überraschend.

Die meisten Verbände mussten für sich nur die Frage beantworten: Wollen sie mal bei einem Championat dabei sein und ihre finanzielle Situation entscheidend verbessern? Es ist eine Farce, und alle wissen es. Natürlich geht es nicht um den Sport, denn schon die letzten aufgedunsenen Turniere waren ein Quell der Langeweile.

Die Belastung der Spieler, die Qualität der Spiele interessiert den Veranstalter der Weltmesse des Fußballs allenfalls am Rande. Für den Sport sind da vielleicht Totengräber am Werk, in eigener Sache sind es aber Goldgräber. Um satte 640 Millionen Euro kann der skandalumtoste Verband den Gewinn durch die Erhöhung des Teilnehmerfeldes steigern. Da gibt man dann gerne etwas weiter an die Mitglieder, die da am Dienstag mehrheitlich für die Einnahmeerhöhung votiert haben.

Man kann nichts anderes erwarten von einem Verband, der kaltlächelnd die nächsten Festspiele ins dopingverseuchte Russland und nach Katar vergeben hat, einem Land, in dem Menschenrechte nur im Kleingedruckten vorkommen. Die Entscheidung ist auch nicht mehr entlarvend, sie ist in der Fifa-Logik nur die Fortsetzung des brutal kommerziellen Kurses. Bislang lässt sich die Kuh unbegrenzt melken. Die Staatsanwaltschaft und FBI ermitteln gegen die Fifa, Funktionäre bereichern sich ungehemmt, Transparenz ist nur ein Schlagwort.

Aber noch hat sich das Massenpublikum nicht abgewendet, zu groß ist die Faszination des Sports. Es erträgt Korruption, Selbstbereicherung, Eitelkeiten. Die Zuneigung hat kaum gelitten. Im Gegenteil: Der Fußball hat sich so breit gemacht, dass für die übrigen Sportarten nur Brotkrumen übrig bleiben. Sie werden immer kleiner, und längst müssen andere Verbände selbst Geld aufwenden, wenn sie eine TV-Übertragung sichern wollen.

Eine völlig andere WM

Nun wird das Fußball-Publikum auf die nächste Probe gestellt. Es soll sich mit sportlich uninteressanten, langweiligen Vorrunden anfreunden, in denen in 16 Dreiergruppe die 32 Starter für das eigentliche Hauptfeld ermitteln. Es wird eine völlig andere WM.

Und vielleicht ist das nur die Vorstufe, wenn in Zukunft Turniere mit 60 Teams angepfiffen werden. Von den Geldmachern ist keine Einsicht zu erwarten. Die einzige Hoffnung sind Sponsoren und vor allem die Fans: Sie stimmen mit ihrem Interesse darüber ab, ob die gierige Fifa am Dienstag ein Eigentor geschossen hat. Bislang gibt es dafür keine Signale.

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