Nina Leßenich

Kommentiert: Die falsche Diskussion

Ein Kommentar von Nina Lessenich

„Ein absurd amerikanisch besoffener Post an sein Baby. Und es bleiben ihm dann auch nur noch ca 400 Mio. – Well...“ Das ist kein beliebiger Twitter-Eintrag.

Es ist ein Eintrag von Annette Dittert. Und die ehemalige Großbritannien-Korrespondentin der ARD steht damit beispielhaft für eine der wohl fehlgeleitetsten Diskussionen in diesem Jahr.

Auslöser dieser Diskussion ist die Ankündigung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, 99 Prozent seiner Facebook-Anteile für wohltätige Zwecke zu spenden. Das entspricht einem Wert von rund 45 Milliarden Dollar . Eine Diskussion über diese Spende ist durchaus gerechtfertigt, ja, sogar nötig. Allerdings geht es dabei – vor allem in den Sozialen Netzwerken – gerade um die falschen Aspekte.

Natürlich: Wer nach einer bösen Absicht sucht, der mag Mark Zuckerberg vorwerfen, dass er mit seiner Spende vor allem eines tut: einige Milliarden an Steuern sparen. Und natürlich sind da dann auch noch die Neider à la Annette Dittert, die darüber frotzeln, wie „wenig“ Geld Zuckerberg nach der Spende noch bleibe.

Aber darum geht es nicht. Die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollten, ist doch viel mehr die: Wie bedenklich ist es, dass Zuckerberg mit seiner Spende vor allem sein eigenes Weltbild fördert?

In dem Brief an seine Tochter, in dem er die Spende ankündigt, macht Zuckerberg sein Weltbild deutlich: „Our initial areas of focus will be personalized learning, curing disease, connecting people and building strong communities.“

Will heißen: Zu Beginn fokussiert die Initiative von Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan sich nicht nur auf personalisiertes Lernen und auf das Heilen von Krankheiten. Sondern auch darauf, Menschen im Internet miteinander zu verbinden und dort starke Gemeinschaften aufzubauen. Zuckerberg wirft dazu eine bedenkenswerte Leitfrage auf: „Können wir die Welt so sehr vernetzen, dass jeder Zugang zu jeder Idee, jeder Person und zu allen Chancen hat?“

Und in genau dieser Leitfrage steckt der eigentliche Aspekt, über den wir diskutieren sollten. Statt über Zuckerbergs Absichten zu spekulieren, die möglicherweise tatsächlich nur gut sind, sollten wir uns fragen: Wollen wir das? Wollen wir in einer Welt leben, die bis in den letzten Winkel vernetzt ist, und in der unsere Leben dank Facebook für den Rest der Menschheit durchsichtig werden? Die Antwort auf diese Frage ist wohl wichtiger, als falscher Neid über Zuckerbergs verbleibendes Privatvermögen.

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