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Kommentiert: Die AfD und eine Woche zum Vergessen

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Nein, das war keine gute Woche. Zumindest käme ein halbwegs anständiger Mensch nicht ernsthaft auf die Idee, eine Woche gut zu nennen, in der sich die Alternative für Deutschland (AfD) in Sachen Geschmacklosigkeit selbst überbietet.

Man war ja Schlimmes gewohnt. In dieser Woche wurde es aber abscheulich. Nicht etwa im stillen Kämmerlein hinter vorgehaltener Hand, sondern auf öffentlicher Bühne.

Da macht die AfD Nürnberg-Süd/Schwabach Stimmung gegen die Bundesregierung, in dem sie sich auf einem Wahlplakat ausgerechnet einen Satz der Widerstandskämpferin Sophie Scholl zu eigen macht. „Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ‚regieren‘ zu lassen“, zitiert die AfD aus dem ersten Flugblatt der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ um Sophie und Hans Scholl. Und setzt dem Ganzen die geschmacklose Krone auf mit dem Slogan: „Sophie Scholl würde AfD wählen.“

Mit Verlaub: Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte, wenn man das liest. Womit in leicht abgewandelter Form der deutsche Maler Max Liebermann zitiert sei, der diesen Ausspruch beim Betrachten des Fackelzugs zu Adolf Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 gesagt hatte.

Da fehlen einem die Worte

Darf es vielleicht noch ein bisschen mehr AfD-Widerwärtigkeit sein? Überhaupt kein Problem: Am Dienstag spricht AfD-Mann Björn Höcke auf Einladung der Jungen Alternative Dresden vor 500 Anhängern und sagt über das Berliner Holocaust-Mahnmal: „Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Das muss man selbst in einem Kommentar nicht weiter kommentieren. Und überhaupt: Es fehlen einem die Worte.

Es geht aber noch weiter. Die Schamlosigkeit kennt kaum Grenzen. Ein Dresdener Richter und AfD-Mitglied nimmt Höcke nicht nur in Schutz, sondern lobt ihn in den höchsten Tönen. Derzeit sei die „Herstellung von Mischvölkern“ in Europa „einfach nicht zu ertragen“, sagt der Herr Richter.

Und weiter spricht er mit Blick auf die Aufarbeitung der NS-Zeit von einem „Schuldkult“ – und erklärt diesen für „endgültig beendet“. Auch nicht schlecht! Ach ja, Höcke nennt er gar „meine Hoffnung“: Es sei für ihn eine „große Ehre“, neben diesem „sitzen zu dürfen“. Höcke sei ein „aufrechter Patriot“. Ja, Herrschaftszeiten: Wo sind wir denn hier? In Deutschland!

Hunde müssen draußen bleiben

Und zum Wochenende drohen weitere verbale Ausfälle: Heute veranstalten AfD-Vertreter in Koblenz einen Kongress mit Geert Wilders und Marine Le Pen. Unliebsame Journalisten sind nicht zugelassen. Klingt nach: Hunde müssen draußen bleiben.

Und der Rest der AfD – Frau Petry, Herr Gauland & Co? Macht ein bisschen auf Entrüstung, springt Höcke sogar zur Seite. Ein Parteiausschlussverfahren ist offensichtlich nicht geplant. Und so bleibt an dieser Stelle lediglich zu vermelden, dass das Dresdner Landgericht Disziplinarmaßnahmen gegen den Richter prüft. Ganz schön dürftig – für so viel Unausstehlichkeit.

Etwas Gutes hatte diese Woche womöglich dann doch. Vielleicht hat sie jene wachrütteln können, die am 14. Mai bei der NRW-Landtagswahl und am 24. September bei der Bundestagswahl ihr Kreuz bei der AfD machen wollen. Spätestens seit dieser Woche muss auch der Letzte wissen, wofür diese Partei eben auch steht. Ein bisschen AfD geht nicht.

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