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Kommentiert: Der vergessene Plan B

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Die Planungshysterie, die nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg für jede Form von größerer Veranstaltung generell eingeführt wurde, ist übertrieben.

Es ist nur schwer einzusehen, warum seitdem auch bei Plätzen mit vielen freien Fluchtwegen – wie etwa bei Aachen Olé in der Soers – ein Sicherheitskonzept vorgelegt werden muss, als gäbe es Engstellen wie in Duisburg. Aber genau auf dem Aachener Katschhof gibt es diese engen Fluchtwege, die im Fall einer Panik fatale Folgen haben können. Sich bei diesem Platz allein auf eine niedrige Schätzung im Vorfeld eines noch neuen Events zu verlassen, ohne einen Plan B in der Tasche zu haben, ist – vorsichtig formuliert – schwierig. Man könnte es auch fahrlässig nennen.

Es ist gut gegangen. Zum Glück. Vielleicht, weil eher friedlich gesinnte Menschen und keine Krawallbrüder auf einen Platz kommen, auf den Kirchenmusik übertragen wird – begleitet von Projektionen mit kirchlichen Motiven. Aber jeder, der am Freitagabend bei „Dom im Licht“ auf dem Katschhof in der Menschenmasse stand, hat wohl irgendwann an Duisburg gedacht. Man war sich der Gefahr bewusst. Es gab keinen Weg nach draußen mehr. Stattdessen drängten von außen noch immer mehr Menschen hinein, die die Menge immer mehr verdichteten.

Etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung war klar, dass dieser Platz voll ist – vielleicht schon zu voll. Um das festzustellen, genügte ein Blick auf den Katschhof. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten der Veranstalter oder die Stadt Ordner mit rot-weißem Absperrband an die Eingänge schicken müssen. Eine Selbstverständlichkeit. Und eine denkbar einfache Lösung.

Niemand sollte neue Veranstaltungen mit einer generellen Planungshysterie verhindern. So wird Kreativität mit Bürokratie erstickt. Aber am Freitagabend in Aachen sind Menschen in Gefahr gebracht worden. Der Schreck darüber ist selbst dem Veranstalter in die Glieder gefahren. Und weder er noch die Stadt Aachen haben am Montag versucht schönzureden, was im Vorfeld vergessen wurde: der Plan B. Ihn muss es künftig immer geben. Nicht nur für eine zweite Auflage von „Dom im Licht“.

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