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Kommentiert: Der Tebartz-Effekt

Ein Kommentar von Bernd Büttgens

Natürlich steigt die Zahl der Kirchenaustritte. Wen wundert das? Und nicht nur im Bistum Limburg, auch hier in unserer Region schlägt der „Tebartz-Effekt“ durch. Man darf von einem Erdrutsch sprechen, einer klaren Abkehr von der (katholischen) Kirche. Es ist die Quittung für die Affäre rund um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst, der sich fortan im Kloster von den Strapazen der zurückliegenden Wochen erholt.

Wenn ein Skandal so greifbar ist, so bretthart, wenn eine Figur sich so eindeutig positioniert, gibt es solche Reaktionen. Der Austritt ist eine eindeutige Äußerung: Nein, danke, mit diesem Laden möchte ich nichts mehr zu tun haben. Und ganz ehrlich, wer will es denen verdenken, die so handeln? Gründe genug auszutreten, hat es in den zurückliegenden Jahren wahrlich genug gegeben. Erinnert sei nur – um das härteste Thema zu nennen – an die Missbrauchsfälle. Viele, die damals noch zögerten, sind heute soweit: Jetzt reicht‘s!

Wo bleibt in diesen Zeiten in der katholischen Kirche der Aufschrei von unten? Der Aufschrei derer, die sich an der Basis der Kirche engagieren, die davon überzeugt sind, dass der Glaube lebenswert ist, dass er hilft, dass er ein elementarer Teil des Hierseins ist. Und denen die Skandale, die Verfehlungen mächtig gegen den Strich gehen müssen. Weil sie selbst anders sind. Weil sie zum Beispiel weit davon entfernt sind, das System Kirche so auszunutzen, wie es der Limburger Bischof getan hat. Die Kirche nicht als Hort der Macht, des Machtmissbrauchs, der ewig gestrigen Strukturen, des Argwohns und des Zweifels begreifen. Es sind also jene, die mühsam aufzurichten versuchen, was andere kaputtmachen. Ein Aufschrei derer, die sich nicht abwenden, sich wohl aber gegen all jene wehren, die das eigene Boot so schwer in Schräglage bringen – diesen Aufschrei muss es geben!

Es sind immer noch viele, viele Menschen, die aufrecht und gewissenhaft im christlichen Sinne leben, die auch in der Kirche im positivsten Sinne tapfer vorangehen. Ob Laie oder Hauptamtler, ob Ortspfarrer oder Bischof, ob Ordensschwester oder Streetworker, ob Katechetin oder Messdiener.

Es ist wirklich bitter zu sehen, was mit der Kirche passiert, wie sie wankt und schrumpft.

Wird der argentinische Papst, dieser angenehme, bescheidene und dabei so klare Franziskus das Unheil abwenden? Es gibt gute Gründe, daran zu glauben. Es gibt vor allem die Hoffnung, dass er den Aufrechten in der Kirche den Mut gibt, sich gegen bestehendes Unrecht laut zu wehren.

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