Kommentiert: Der richtige Weg

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Kommentiert: Der richtige Weg

Ein Kommentar von Christina Handschuhmacher

Man muss sich nichts vormachen: Jeder, der Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“ unbedingt lesen wollte, konnte dies – trotz des existierenden Verbotes – auch bislang tun.

Die Hetzschrift ist in Antiquariaten zu finden, kann im Ausland erworben werden oder eben nach ein paar Klicks im Internet gelesen werden. Das ist unvermeidlich, mag mancher nun sagen, aber muss man dieses von Antisemitismus und Menschenverachtung triefende Machwerk nun wirklich wieder auf den Buchmarkt bringen und es damit einer breiten Öffentlichkeit bewusst zugänglich machen? Die Antwort lautet: Ja.

Fakt ist: Diese Schrift ist nun einmal leider in der Welt. Sie lässt sich nicht ungeschehen machen – genauso wenig wie der Holocaust selbst. Deshalb ist es wichtig, dass Deutschland jetzt, da die Urheberrechte erloschen sind, einen bewussten Umgang mit Hitlers Schrift findet. Gut 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist die richtige Zeit gekommen, um die Tabuisierung dieses Buches zu beenden und eine kritisch-kommentierte, von Wissenschaftlern erarbeitete Auflage von „Mein Kampf“ zu veröffentlichen.

Längst sind andere Hetzschriften voller Hass gegen bestimmte Volksgruppen problemlos erhältlich – etwa Werke von Lenin und Stalin. Hält man „Mein Kampf“ in Deutschland noch länger unter Verschluss, trägt man womöglich weiter zur Mystifizierung dieses Werkes bei.

Die Wissenschaftler des Instituts für Zeitgeschichte sind angetreten, um das Gegenteil zu erreichen. In ihrer Ausgabe widersprechen sie dem kruden Gedankengut Hitlers. Wort für Wort. Satz für Satz. 800 Seiten Originalton Hitler werden gebändigt von knapp 1200 Seiten mit Anmerkungen. Zusammenhänge werden erläutert, gedankliche Anleihen kenntlich gemacht, und so werden Hitlers Thesen Stück für Stück demaskiert.

Es ist ein offensiver und gut durchdachter Umgang mit „Mein Kampf“, der die Schrift in allererster Linie als das begreift, was sie (nicht nur) für Historiker, heute sein sollte: eine Primärquelle, die einen Einblick in Hitlers wahnhafte Gedankenwelt erlaubt. Fest steht aber auch: Der Verkauf von unkommentierten Ausgaben soll auch weiterhin verboten bleiben. Das haben die Justizminister der Länder bereits im Juni 2014 beschlossen. Eine kluge Entscheidung. Denn die Welt schaut auch 70 Jahre nach Kriegsende sehr genau darauf, wie Deutschland mit diesem unglückseligen Nachlass Hitlers umgeht.

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