Kommentiert: Der reale Sexismus

Angela Delonge

Kommentiert: Der reale Sexismus

Ein Kommentar von Angela Delonge

Männer und Frauen und die Kultur des Umgangs miteinander. Jetzt ist das Thema auf dem Tisch.

Doch worüber reden wir da eigentlich, was ist das für eine Kultur, die die Geschlechter zusammenhält? Oder vielleicht eher trennt.

Fakt ist, dass Frauen und ihre Rechte in vielen Gesellschaften nicht viel gelten. Nicht nur in muslimischen, auch in Südamerika, Indien, dem christlich geprägten Afrika, ja leider auch oft noch in Südeuropa.

Und wie sieht es bei uns aus? Können wir stolz darauf sein, wie Frauen bei uns behandelt werden? Wohl kaum. Jede zweite Frau wird hierzulande Opfer sexueller Gewalt. Wer sind die Täter? Es sind Väter, Nachbarn, Brüder, Freunde, Ehemänner. Wie kommt es, dass Männer glauben, sie hätten ein Recht darauf, Frauen anzuglotzen, zu betatschen, zu nehmen, zu besitzen? Werden Männer etwa dazu erzogen, dass Frauen Objekte ihrer Begierde sind?

Diese Frage muss gestellt werden. Männer werden mehrheitlich von Frauen erzogen, man sollte also meinen, dass sie gelernt haben, Frauen mit Respekt zu begegnen und deren Selbstbestimmtheit zu achten. Dem scheint nicht so zu sein.

Also muss vielleicht auch diese Frage gestellt werden: Wozu werden Frauen erzogen? Sollen sie schlau oder hübsch sein? Egal. Sie dürfen sein, was sie wollen. Nichts rechtfertigt, dass sie von Männern geringgeschätzt, missbraucht, vergegenständlicht werden.

Und doch arbeitet eine riesige, von Männern gesteuerte, Medien-, Kosmetik- und Modeindustrie unablässig daran, Frauen zu sagen, wie sie sein sollen, damit sie gut sind. Mit Bildern von großen Brüsten, langen Wimpern, langen Haaren, offenen Mündern. Nicht der schlaue Kopf von Frauen ist in unserer Gesellschaft etwas wert, sondern das Anpreisen von verführerischer Weiblichkeit. Das ist real existierender Sexismus und eine Form von Unterdrückung, die so subtil sind, dass man sie kaum mehr wahrnimmt. Am wenigsten die Frauen selbst. Sie sind in mehrfacher Hinsicht die Opfer.

Die unkontrollierten Auswüchse einer männlich-sexistischen Haltung haben sich in Köln gezeigt – ganz öffentlich, hässlich und brutal. Gut, es waren womöglich keine deutschen Männer, die dort Frauen angegriffen und gedemütigt haben. Aber wer sagt denn, dass deutsche Männer, alkoholisiert und im Pulk, nicht dazu fähig wären? Was man so hört, aus Diskotheken oder von Partys, sind auch unsere Jungs keine Betschwestern.

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