Kommentiert: Der NC wird bleiben

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Kommentiert: Der NC wird bleiben

Ein Kommentar von Hermann-Josef Delonge

Am grundsätzlichen Problem wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nichts ändern: Es wird nicht mehr Medizinstudienplätze geben.

Vielleicht wird sich die Zahl der Bewerber sogar noch erhöhen, weil sich mehr Abiturienten jetzt eine Chance auf einen Platz ausrechnen. Aber immerhin haben die Richter deutliche Worte zu dem Wildwuchs an Auswahlverfahren gefunden, in dem sich die Bewerber unweigerlich verheddern. Und sie haben klargestellt, dass die Abiturnote nicht mehr der wichtigste und in manchen Fällen sogar einzige Grund dafür sein darf, dass ein Bewerber einen Studienplatz bekommt – oder eben nicht.

Andere Auswahlkriterien sollen eine größere Rolle spielen: fachspezifische Eignungstests und intensive Auswahlgespräche. Das ist längst überfällig, denn dass eine gute Abiturnote nichts über die Qualität eines künftigen Arztes aussagt, versteht sich eigentlich von selbst. Empathie und soziale Kompetenz sind für einen Arzt wichtiger als eine 1,0 im Biologie-Leistungskurs.

Solche Auswahlverfahren gibt es neben der Vergabe rein nach der Abiturnote an vielen Hochschulen zwar jetzt schon, aber die Aufgabenstellungen und Maßstäbe, nach denen geurteilt wird, sind unterschiedlich. Auch das soll sich ändern. Es wird also spannend sein zu beobachten, ob und wie Politik, Hochschulen und Verbände zu standardisierten Verfahren finden. Das gilt übrigens auch für die Forderung des Karlsruher Gerichts nach Ausgleichsmechanismen, weil es kein bundeseinheitliches Abitur gibt und die Noten nicht vergleichbar sind. Denn keine Landesregierung wird freiwillig zugeben, dass es in ihrem Bundesland leichter als in einem anderen ist, ein gutes Abitur zu machen.

Der Vorsitzende Richter des Ersten Senats erklärte in der Urteilsbegründung am Dienstag jedoch explizit genau dies: Dass in einigen Ländern immer häufiger die Bestnote beim Abitur vergeben wird und damit die Note an Aussagekraft verliert. Das ist eine veritable Klatsche für das föderale Bildungssystem.

Noch einmal zur Klarstellung: Das Medizinstudium wird weiter zulassungsbeschränkt sein. Geht auch gar nicht anders, solange wie im Wintersemester 2017/18 bundesweit 43.184 Bewerber auf gerade einmal 9176 Plätze kommen. Das Urteil bedeutet also nicht das Ende des Numerus clausus. Die Richter haben lediglich angemahnt, dass das derzeitige Vergabeverfahren verfassungswidrig ist.

Wer das grundsätzliche Problem lösen will, muss mehr Studienplätze zur Verfügung stellen und also sehr viel Geld in die Hand nehmen. Wir können getrost davon ausgehen, dass dies nicht geschehen wird.

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