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Kommentiert: Der Diesel-Gipfel und die verpassten Chancen

Ein Kommentar von Hermann-Josef Delonge

Das soll es jetzt tatsächlich gewesen sein? Ein Software-Update?

Ein Fonds „zur Unterstützung der Kommunen bei der längerfristigen Gestaltung nachhaltiger und emissionsfreier Mobilität“? Der Diesel-Gipfel kreißte und gebar – eine Minimallösung.

Mit diesem Ergebnis kann die deutsche Autoindustrie das Vertrauen, das sie mutwillig und krachend vor die Wand gefahren hat, nicht wiederherstellen. Und die Politik kann nicht den längst überfälligen Beweis liefern, dass sie willens und in der Lage ist, sich von der Rolle des Erfüllungsgehilfen für die Interessen der Branche zu emanzipieren. Der Kuschelkurs geht weiter.

Es zeigt sich: Dieser Diesel-Gipfel war in erster Linie darauf angelegt, den wichtigsten Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft zu stabilisieren. Es ging nicht um die Interessen der Kunden, der Gesellschaft, der Umwelt. Die Zusagen, die der Branche abgetrotzt wurden, sind nicht mehr als pure Selbstverständlichkeiten. Natürlich müssen die Hersteller für alle Kosten aufkommen. Wer denn bitteschön sonst?

Die Branche hat ihre Kunden lange Jahre getäuscht und ihnen Schaden zugefügt. Juristen nennen das Betrug. Dafür wäre Schadensersatz, zumindest eine Entschädigung fällig. Es wäre auch eine schöne Geste, wenn die Konzernbosse endlich mal ihr Fehlverhalten eingestehen und um Entschuldigung bitten würden. In allen Fällen: Fehlanzeige.

Was notwendig gewesen wäre: eine echte und garantierte technische Verbesserung der Diesel-Flotten entsprechend der Umweltvorgaben, also die große Hardware-Lösung statt eines Software-Updates. Wo nicht möglich: ein adäquates Ersatzgefährt, das den Kunden vor die Tür gesetzt wird – kostenlos. Zugegeben, das wäre teuer geworden für die Konzerne. Aber die haben ja auch lange genug prächtig verdient mit ihren dreisten Schummeleien und – mutmaßlichen – Absprachen.

Das alles kommt nicht. Und so bleiben die Verbraucher, für die am Gipfel-Tisch kein Platz war, allein mit ihrer Angst vor dem Wertverlust ihrer Autos und vor möglichen Fahrverboten. Wieso sind eigentlich Sammelklagen immer noch nicht möglich?

Dabei sind Fahrverbote noch lange nicht vom Tisch. Darüber entscheidet nämlich kein Gipfel und auch nicht die Politik, darüber entscheiden die Gerichte. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat, als es sich für ein Fahrverbot in der Daimler-Metropole aussprach, seine Zweifel darüber bereits deutlich gemacht, ob ein Software-Update ausreichen wird, um die Luftqualität in den Städten nachhaltig zu verbessern und die europäischen Grenzwerte einzuhalten.

Über die lässt sich trefflich streiten, aber sie sind nun mal die Referenzgröße. Die Technik dafür ist längst vorhanden. Doch immer noch geht es den Konzernen vor allem um den Profit. Der ist ihnen offensichtlich wichtiger als die Gesundheit von Mensch und Umwelt. So fahren sie ihren Kurs unbeirrt und letztlich ungehindert weiter.

Der Markt wird sie abstrafen

Wenn sie sich damit mal nicht vertun. Diesel-Pkw sind auf dem besten Weg, als Auslaufmodelle auf der Resterampe zu landen. Selbst neueste Modelle überschreiten die Grenzwerte für Stickoxide deutlich, haben neue Test der Deutschen Umwelthilfe ergeben. So hat die Technologie keine Zukunft.

Das werden auch die Hersteller irgendwann in ihren Bilanzen spüren. Sie haben es – flankiert von der auch hier notorisch untätigen Politik – verpasst, die notwendige Wende hin zu zukunftsfähigen Verkehrskonzepten aktiv zu gestalten. Sie haben zu lange die E-Mobilität ignoriert, haben zu spät Konzepte zum Carsharing entwickelt. Der Markt wird sie dafür abstrafen.

Wie es anders gehen kann, ist übrigens jetzt schon zu besichtigen: mit dem StreetScooter und demnächst auch mit dem E.GO – Elektromobilität made in Aachen, unabhängig von den großen Autokonzernen.

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