Kommentiert: Der Abschuss

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Kommentiert: Der Abschuss

Ein Kommentar von Michael Wrase (Limassol)

Zehn Tage nach den entsetzlichen Terroranschlägen in Paris haben Moskau und Ankara einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet.

Er befindet im türkisch-syrischen Grenzgebiet, wo am Dienstag ein russischer Jagdbomber wie eine brennende Fackel senkrecht zu Boden fiel. Der Abschuss der Maschine, ob zu Recht oder nicht, zeigt einmal mehr, dass die internationale Staatengemeinschaft im Kampf gegen die islamistischen Terrormilizen nicht an einem Strang zieht.

Noch vor einer Woche hatten der türkische Staatspräsident Erdogan und sein russischer Amtskollege Putin auf dem G20-Gipfel im südtürkischen Belek den gemeinsamen Kampf gegen den IS-Terror propagiert. Tatsächlich wussten beide Politiker bereits vor Konferenzbeginn, dass sie in Syrien weiterhin auf getrennten Wegen marschieren werden.

Russland geht es in dem Bürgerkriegsland in erster Linie um die Stabilisierung des Assad-Regimes. Dessen Truppen werden überall dort aus der Luft unterstützt, wo sie, wie am Dienstag in Nord-Syrien, auf dem Vormarsch sind. Die Türkei will dagegen weiterhin den Regimewechsel in Damaskus. Längst nicht alle Rebellengruppen, die von Ankara unterstützt werden, verdienen das Prädikat gemäßigt.

Nüchtern betrachtet, sollten Russland und die Türkei eigentlich begreifen, dass sie ihre Ziele in Syrien nicht mit militärischer Gewalt durchsetzen können. Angesichts der engen Frontverläufe südlich der türkischen Grenze war es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer direkten Konfrontation der beiden Luftwaffen kommen würde.

Als Nato-Mitglied kann Ankara jetzt mit Rückendeckung aus Brüssel rechnen. Diese sollte sich jedoch auf Worte beschränken. Bei aller Aufregung um den Zwischenfall im syrisch-türkischen Grenzgebiet dürfen die direkt und indirekt am Syrienkonflikt beteiligten Parteien jetzt nicht vergessen, wer im Nahen Osten der Hauptfeind ist, dass es die islamistischen Terrormilizen sind, die Europa gegenwärtig in Angst und Schrecken versetzen.

Die Welt muss endlich begreifen, dass der IS nur dann besiegt werden kann, wenn Ost und West den Terroristen gemeinsam die Stirn bieten. Ohne Wenn und Aber. Von wie vielen Terror­anschlägen müssen unsere Großstädte eigentlich noch erschüttert werden, bis Politiker wie Putin und Erdogan verstehen, dass ihre Kurzsichtigkeit und Borniertheit nur dem IS in die Hände spielt.

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