6906540.jpg

Kommentiert: Daten-Treppenwitz

Ein Kommentar von Amien Idries

Keine Angst, Google steht noch nicht in Ihrem Schlafzimmer. Ganz einfach, weil es die Luxusthermostate von Nest Labs, dem Unternehmen das sich Google nun für 3,2 Milliarden Dollar einverleibt hat, derzeit in Deutschland noch nicht zu kaufen gibt.

Klar ist aber auch, dass Google mit dem Kauf auf das abzielt, was der Journalist Ryan Block via Twitter am Dienstag so ausdrückte: „Dank Nests eingebauter Sensoren weiß Google jetzt, wann Sie zu Hause sind, in welchem Zimmer Sie sich aufhalten und wann Sie weg sind.“ Neben dem ökonomischen Reiz, den das vom iPod-Erfinder Tony Fadell gegründete Startup im Wachstumsmarkt Smart Homes bietet, geht es Google vor allem um eines: Daten.

Dienstleistung gegen Daten

Dagegen ist prinzipiell auch nichts einzuwenden, lautete der Deal zwischen Google und seinen Usern doch lange Zeit so: „Wir geben Dir eine smarte und kostenlose Dienstleistung, und Du gibst uns Daten.“ Der User hatte dann zumindest theoretisch die Wahl, die Dienstleistung zu nutzen oder aus Datenschutzgründen auf den Service zu verzichten. Dies war lange der Unterschied zwischen den Datensammlern aus der Privatwirtschaft– wie Google, Apple, Samsung & CO. – und den staatlichen Datensammlern – wie der NSA. Deren Sammelwut ist nämlich jeder schutz- und entscheidungslos ausgeliefert. Snowdens Dokumente haben das belegt.

Das Problem ist, dass diese strikte Trennung zwischen privaten und staatlichen Datensammlern nicht mehr wirklich existiert, wenn sie das überhaupt je getan hat. Aus den Snwoden-Dokumenten geht nämlich auch hervor, dass die NSA längst mit Google & Co. kooperiert beziehungsweise sie anzapft. Das heißt, in den unausgesprochenen Deal zwischen dem User und Google hat sich ein Dritter geschaltet. Dass sich der Deal dadurch zu Ungunsten des Nutzers verschiebt, kann sich jeder denken. Vor allem, wenn man die aktuelle Weigerung der USA betrachtet, ein No-Spy-Abkommen zu unterzeichnen, in dem auch nur ein konkreter Satz steht.

Der Kunde hat keine Wahl mehr

Hinzu kommt, dass der Kunde zunehmend keine Wahl mehr hat. Denken Sie an Smart-TVs mit Netzanschluss. Auch diese schnüffeln vielfach und senden Daten über unseren TV-Konsum an die Hersteller (wenn es nur die sind). Sollten Sie sich einen neuen Fernseher anschaffen wollen, dürfte die Suche nach einem ohne Internetanschluss schwierig werden. Sie können natürlich einen mit Anschluss kaufen und sich schwören, ihn nie anzuschließen. Sollten Sie durchhalten, gebührt Ihnen Respekt für Ihre Selbstdisziplin. Viel wahrscheinlicher dürfte sein, dass Sie doch einmal der Annehmlichkeit erliegen, dieses eine lustige Youtube-Video auf dem großen Schirm anzuschauen. Einmal ist keinmal. In zehn Jahren könnte die Frage dann nicht mehr lauten, kaufe ich ein Thermostat mit oder ohne Netzanschluss, sondern welchem Konzern liefere ich meine Smart-Home-Daten frei Haus?

Der Treppenwitz am Kauf von Google ist aber, dass der Erfolg von Nest Labs – neben dem schicken und simplen Design der Geräte – auf einer strikten Datenschutzpolitik basiert. Die war für solvente und datenschutzaffine Kunden offensichtlich ein großer Kaufgrund, der durch die Google-Übernahme ad absurdum geführt wird. Das ist ein Schlag in die Magengrube für alle Bemühungen, Alternativen zu den großen Datensammlern aufzubauen. Wer sagt mir denn, dass das kleine Startup, dem ich heute meine Daten anvertraue, nicht in ein paar Jahren mitsamt meinem Datensatz an Google oder Apple verscherbelt wird. Denn eines ist klar: Daten, die einmal in der Welt sind, sind eben in der Welt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert