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Kommentiert: Cyberkriege sind leider keine Fiktion mehr

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Die Bundeswehr ist aufgewacht. Neben Heer, Luftwaffe und Marine soll eine eigene Einheit für die Netzwelt geschaffen werden.

Also hat auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erkannt, dass moderne Armeen immer schneller auf immer neue Herausforderungen reagieren müssen. Die Zeit der Feldherren, die ihre Truppen vom Hügel aus dirigieren, ist vorüber. Auf den Schlachtfeldern des 21. Jahrhunderts kämpfen nicht mehr Nationen gegen Nationen. Kriege sind entstaatlicht, sie werden asymmetrisch geführt, weil Bürgerkriege, Aufstände und Terroranschläge den Alltag moderner Streitkräfte viel stärker bestimmen als klassische militärische Konflikte.

Die Bundeswehr hat großen Nachholbedarf, denn die militärtechnische Entwicklung der vergangenen Jahre ist fast komplett an ihr vorbeigegangen. Zum einen mag es an der fehlenden Ausstattung des Verteidigungsetats liegen, zum anderen an dem anachronistischen Gedanken, die Truppe sei weiterhin eine Friedensarmee.

Während die USA und andere Staaten auf die neuen Bedrohungen bereits mit Präzisionswaffen, ferngesteuerten Raketen und unbemannten Drohnen reagiert haben, sahen deutsche Soldaten in Afghanistan hilflos zu, wie die Taliban per Handy ihre Sprengfallen zündeten.

Inzwischen sind auch Cyberkriege längst keine Fiktion mehr. Selbst die Terrorgruppen dieser Welt dürften erkannt haben, dass sie ihre kruden Ziele mit konventionell-militärischen Mitteln nicht erreichen können. Propaganda etwa über Soziale Netzwerke ist da nur eine Form der modernen Kriegsführung.

Der nächste Schritt: Ist erst einmal die Schwachstelle in einem System gefunden, genügen wenige Klicks, um sensible Infrastrukturen wie Kraftwerke, Banken oder Kliniken lahmzulegen. Geht nicht? Doch! Cyber-Experten der USA haben bereits 2010 den Angriffscode „Stuxnet“ in iranische Atomanlagen geschmuggelt und Zentrifugen für die Uran-Anreicherung zerstört. Nicht nur mit dem jüngsten Hackerangriff auf das Computersystem des Bundestages ließe sich diese Liste fortführen.

Durch Edward Snowden wissen wir zudem, dass die NSA aggressiv nach der Kontrolle des Internets strebt. Der Kampf gegen ein hausgemachtes Problem übrigens. Denn die USA haben ihre digitale Infrastruktur den Marktgesetzen überlassen und die Netzwerke in der Hand von privaten Unternehmen gelegt. Bei einem Krieg im Netz werden sich also Schlachtfelder wie Waffen in Privatbesitz befinden. Ein gruseliger Gedanke.

Doch wenn die Kriege der Zukunft digital gesteuert werden, muss sich die Staatengemeinschaft über die Regeln solcher Auseinandersetzungen verständigen. Handelt es sich bei einer Cyberattacke um Sabotage, einen terroristischen Akt oder einen Krieg? Wann wird aus einem Hacker ein Krieger? Wann darf ein Angriff im Sinne des Völkerrechts mit militärischen Mitteln beantwortet werden?

Das US-Verteidigungsministerium machte schon vor Jahren klar, dass derjenige, der versuche, den USA per Schadprogramm den Strom abzuschalten, mit einer Rakete als Antwort rechnen müsse. Krieg oder Frieden könnten in Zukunft also von einem einfachen Klick auf die Computertastatur abhängen.

Für die Bundeswehr gilt: Wenn es ihr ernst damit ist, sich modern aufzustellen und gegen Cyberangriffe zu wappnen, darf sie nicht sparen. Die Wirtschaft nimmt die benötigten Computerexperten mit Kusshand und gegen ein dickes Gehalt.

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