Kommentiert: Buchfestspiele am Main

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Kommentiert: Buchfestspiele am Main

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Am Sonntag geht in Frankfurt die Buchmesse zu Ende. Man könnte auch sagen, am Sonntag enden die internationalen Buchfestspiele. Denn nirgendwo feiert sich die Buchbranche so ausgiebig selbst wie an diesen Tagen in Frankfurt.

Wer durch die Messehallen schlendert und am Ende des Tages von all dem Gedruckten regelrecht erschlagen ist, käme jedenfalls nicht auf die Idee, dass sich hier eine Branche präsentiert, der es nicht besonders gut geht. Von einer angespannten Lage im deutschen Buchhandel ist jedenfalls äußerlich nichts zu spüren. Hinter den Kulissen, nicht wahrnehmbar für den normalen Besucher und Bücherfan, dürften Verleger und Buchhändler in Frankfurt allerdings zu dem einen oder anderen Krisengipfel zusammengekommen sein.

Es ist kein Geheimnis, dass die Buchbranche von heftigsten Turbulenzen erschüttert wird. Innerhalb von fünf Jahren ist der Umsatz gedruckter Bücher um 13 Prozent auf geschätzte acht Milliarden Euro 2016 eingebrochen. Das alleine ist alarmierend genug, wäre aber noch einigermaßen zu verkraften, wenn sich die Hoffnungen, die die Branche in das digitale Geschäft gesetzt hat, erfüllen würden. Doch auch das ist nicht der Fall, ganz im Gegenteil: Der E-Book-Markt in Deutschland stagniert seit Jahren. Zum einen sind die digitalen Produkte nur unwesentlich günstiger als die gedruckten Versionen.

Zum anderen sagen laut einer Bitcom-Studie aus dem Jahr 2016 mehr als die Hälfte der Leser gedruckter Bücher, dass sie die sinnliche Wahrnehmung bevorzugen. Gedruckt oder digital – es läuft nicht rund auf dem Buchmarkt. Nur wahrhaben will das in der Branche kaum jemand. Statt sich selbst und den Verbrauchern etwas vorzumachen, wäre es sinnvoller, sich der Realität zu stellen. Hier scheinen die klassischen Printmedien einen Schritt weiter zu sein.

Als Verbraucher wundert man sich nicht schlecht, hat man doch den Eindruck, dass so viele Bücher auf den Markt geworfen werden wie nie. Wie also kann es sein, dass es der Branche so bescheiden geht? Die Tatsache, dass viele Titel erscheinen, bedeutet ja noch lange nicht, dass sie sich gut verkaufen. Die Masse an Neuerscheinungen suggeriert jedoch, dass alles bestens ist. Was wiederum die kleinen Buchhändler, die sich gerade noch über Wasser halten können, weit von sich weisen würden.

Das Sterben der Kleinen – dies ist natürlich inzwischen längst eine Binsenweisheit – wird insbesondere durch die zunehmende Attraktivität des Online-Buchhandels forciert. Hier müssen die Buchliebhaber selbstkritisch ihr eigenes Kaufverhalten hinterfragen. Wer online bestellt, weil das die bequemste Variante ist, der muss sich nicht beschweren, wenn es demnächst gar keine kleinen Buchhandlungen mehr gibt. Aber die so genannten Kleinen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob die Beratungsqualität, auf die sie so viel Wert legen und immer wieder verweisen, tatsächlich noch den Ansprüchen der Kunden genügt.

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