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Kommentiert: Blauäugige Aktionäre

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Die kommunalen Aktionäre bei RWE haben keinen starken Stand mehr im Unternehmen. Die am Mittwoch gestrichene Dividende für ihre Stammaktien ist der letzte Beweis.

Die Bürgermeister und Landräte reagierten geschockt auf die Nachricht. Wie in all den Jahren zuvor hatten sie mit dem Geld gerechnet. Dabei hätten sie es nach den Entwicklungen der vergangenen Monate eigentlich besser wissen müssen.

Zuletzt hat der Konzern nur noch wenig Rücksicht auf die Interessen der Städte und Gemeinden genommen. Wie soll er auch? Er ringt mit den Folgen der Energiewende und schreibt dreistellige Millionenverluste. Erst kam der kommunale Favorit für den Aufsichtsratsvorsitz, Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, nicht zum Zug.

Dann wurde die Aufspaltung des Unternehmens verkündet in eine alte (verlustreiche) Sparte mit Kohlekraftwerken, Braunkohletagebau und der Abwicklung der Atomkraft und eine neue (gewinnversprechende) Sparte einer Zukunftsgesellschaft für erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze. Noch in diesem Jahr soll diese neue Sparte an die Börse.

Bei so viel Neuanfang bleibt kein Raum für den Blick zurück auf das alte Standbein. Und die Braut soll den potenziellen Investoren möglichst hübsch präsentiert werden. In dieser Situation hat man kein Geld zu verschenken. Eine Dividende ist da nicht drin – und auch keine Rücksichtnahme auf früher einflussreiche Aktionäre, die teils einen Euro Dividende in ihren Haushalten eingeplant haben.

Bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates Anfang März werden die Vertreter der Kommunen der Konzernspitze mitteilen, was sie von deren Entscheidung halten. Doch trotz des geschwundenen Einflusses auf den Kurs des Unternehmens gibt es durchaus Gründe dafür, die Aktien nicht kurzerhand zu verkaufen. RWE könnte mit dem Umbau des Konzerns und der Investition in regenerative Energien aus der Krise kommen. Die Chance auf irgendwann wieder steigende Aktienkurse ist also durchaus gegeben.

Allerdings wäre wünschenswert, dass bis dahin in den Kommunen und Kreisen, die RWE-Aktien halten, eine neue Ehrlichkeit einzieht: Die Kämmerer sollten keine Dividende einplanen und den Wert der Aktie auf ein Minimum in den Büchern korrigieren. Alles andere wäre blauäugig.

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